Fig. 14.

Die Wirkung des Schenkelgusses ist die erhöhte Wirkung eines Kniegusses; daher könnte er jederzeit diesen letzteren vertreten und ersetzen. Als Vertreter aber geht es ihm wie den Ersatzmännern bei öffentlichen Ämtern: es kommt in meinem Wasseramte selten zur Verwendung. Er bildet die natürlichste Brücke, den natürlichsten Übergang vom Knieguß zum Unterguß, erhöhtem, verstärktem Schenkelguß, Schenkelguß im weiteren Sinne des Wortes. So oft im folgenden und in allen meinen Schriften der Name Schenkelguß erscheint, habe ich (immer möchte ich sagen) den verstärkten Schenkelguß im Auge.

3. Der Unterguß

(erhöhter, verstärkter Schenkelguß) besteht darin, daß mit der ersten Gießkanne rückwärts unten am Fuße beginnend der Körper bis über die Hüfte benetzt wird und die folgenden drei bis vier, ja sechs Kannen Wasser gleichmäßig den ganzen Unterkörper (auch von vorne), vorzüglich aber Kreuz- und Lendengegend gut bespülen. Weil er sich auf den ganzen Unterleib erstreckt, so ist sein Name „Unterguß“ auch gerechtfertigt; am vorteilhaftesten wird er gleich dem Schenkelguß stehend genommen. (Siehe [Abbildung].)

Fig. 15.

Dieser Guß muß regelmäßig nach dem Fußdampfe erfolgen, wenn nicht etwa das Halbbad oder das Knien in die Badewanne vorgezogen wird. Seine Wirkung ist um so stärker, je mehr Wasser dazu verwendet wird, und je höher der Strahl auffällt. In der Regel soll derselbe nicht höher als etwa spannehoch fallen.

4. Der Rückenguß

bildet die Fortsetzung des vorher beschriebenen Gusses nach oben in der Weise, daß mit der ersten Gießkanne voll Wasser die ganze Rückseite des zu Begießenden von der Ferse bis zum Nacken benetzt wird; der Inhalt weiterer 3–5 Kannen, dessen Strahl höher oder tiefer, stärker oder schwächer auffallen kann, wird vom Halse bis hinunter zum Steißbein einerseits und von dem linken bis zum rechten Schulterblatte anderseits gleichmäßig ausgegossen. Ziemlich reichlich wird dabei die Rückensäule bedacht, aber nicht überflüssig ist nebstbei die Bemerkung, daß bei sehr empfindsamen, erregbaren Personen, besonders anfangs, die Wirbelsäule selbst möglichst geschont werden möge. Rasches Abwaschen der Brust, des Unterleibs und der Arme soll den Rückenguß stets begleiten oder beschließen. Ich sage begleiten oder beschließen: ersteres kann dadurch bewerkstelligt werden, daß das Wasser, welches, während der Nacken begossen wird, nach vorne abfließt, zur Abwaschung verwendet wird; letzteres geschieht unmittelbar nach dem Gusse, so oft ersteres unterlassen wurde. Bei den Beinen kann man das Abwaschen ersparen, indem man in stehender Körperhaltung den Guß nimmt, in welchem Falle das Wasser beim Ablaufen von oben eine volle Abspülung vornimmt.