Die erste Kanne verbreitet sich, ausgehend vom rechten Arm und der rechten Schulter, über den ganzen Rücken bis zur linken Schulter und dem linken Oberarm ([a]). Sie dient in erster Linie zur Anfeuchtung der ganzen Gußstelle. Die zweite ([b]), ebenso die dritte Kanne ([c]) bewegen sich hauptsächlich über das große sympatische Nervengeflecht zu beiden Seiten des 7. Halswirbels, sodann über den ganzen Rücken und das Rückgrat, stets abschließend mit einem der beiden Oberarme. Die ganze Gußstelle soll drei- bis viermal gleichmäßig übergossen werden, der Begossene gleichsam drei Wasserauflagen bekommen, welche über den Oberkörper, über die Brust in das Gefäß abfließen. Wer aber nicht geübter, erprobter Begießer ist, dem gebe ich den guten Rat, einfach so zu gießen, daß das Wasser auf den Rücken des zu Begießenden recht gleichmäßig verteilt wird, so daß dasselbe eine förmliche Decke bildet und der Rücken wie etwa mit einem Tuche überlegt erscheint. Der Kopf werde möglichst geschont, der Hals dagegen tüchtig begossen. Wer lange Haare hat, dessen Kopf greife ich gar nicht an; wer kurze Haare hat, den begieße ich zart und wenig. Bei nervösen Personen sei man achtsam, daß der Rückgrat oder auch nur eine Stelle desselben zu stark oder zu lange begossen werde. Der Strahl würde fast wie ein stechendes Messer empfunden und nicht ertragen werden, wenn auch durchaus keine Gefahr ist. Je nach Bedarf und Absicht läßt der Begießende den Strahl voller oder geteilter, höher oder tiefer, d. i. stärker oder schwächer auffallen. Zugleich habe er ein Ohr, ob der Patient über besondere Schmerzen an irgend einer einzelnen Stelle klagt, und ein Auge, ob er vielleicht Symptome von Ausschlägen, Geschwüren, Blutanstauungen (blaue Flecken), Blutwülsten usw. gewahr wird.
Fig. 19.
Je gleichmäßiger das Wasser über die begossenen Teile läuft, um so leichter ist der Guß auszuhalten, und um so schneller tritt an allen Stellen gleichmäßige Wärme ein.
Es gibt Personen (darunter zählen insbesondere diejenigen, welche entweder schon stark beleibt sind oder zum Starkwerden Anlage haben), bei denen man lange auf Reaktion warten kann. Man sieht dieses daran, daß die Haut weiß, farblos bleibt, wie vor dem Gusse, nicht rot wie vom aufgescheuchten, geweckten, den begossenen Stellen zuströmenden Blute. Da helfe ich dadurch nach, daß ich nach der ersten Kanne den nassen Rücken leicht mit der Hand abwasche und durch diese kleine Reibung die Haut zur Tätigkeit reize. Beim dritten und vierten Gusse schon ist in der Regel vollständige Reaktion vorhanden.
Bei schwächlichen Personen reicht zum Gusse eine Kanne aus.
Anfänger traktiere man mit 1 oder 2, Fortgeschrittene mit 2 oder 3, Gesunde und Kräftige mit 5 bis 6 Kannen. Übertreiben soll man bei vorhandenem Wohlbehagen in keinem Falle.
Vor und nach dem Gusse wasche man sich schnell die Brust, trockne nach demselben die Hände und das Gesicht, ziehe rasch, ohne sonst irgend abzutrocknen, die Kleider an und begebe sich in Bewegung oder an die Arbeit.
Der Oberguß ist (wenn nicht eine Abwaschung stattfindet) stets notwendig nach dem Kopfdampf.
Sonst kommt er regelmäßig vor in Verbindung mit dem Knieguß, und zwar in der Reihenfolge, daß zuerst er und nach vollständiger Bekleidung des Oberkörpers der Knieguß vorgenommen wird. Betont sei aber nochmals, daß eine Notwendigkeit nicht vorliegt, daß dem Oberguß der Knieguß folgen müsse.