Beide Güsse zählen mit zu den Abhärtungsmitteln; sie wirken erwärmend, (gleichmäßige Zirkulation des Blutes), stärkend, förmlich elektrisierend und können von Personen beiderlei Geschlechts ohne allen Nachteil angewendet werden.
Ich kenne solche, welche jeden Morgen beim Aufstehen sich selbst beide Güsse applizieren. Sie nehmen zuerst den Oberguß vor, indem sie durch geschickte Handhabung der kleinen Kanne sich das Wasser über den Rücken laufen lassen, noch besser, indem sie sich in der Waschküche oder in einem Badelokal den Wasserhahn klein drehen und den mäßigen Strahl auf den Rücken spielen lassen. Sie wandern unter dem Strahl einher, wie es ihnen selbst beliebt und wohltut. Hernach richten sie den Hahn oder die Kanne ebenso auf die Knie. In fünf Minuten ist alles vorüber und dem ganzen Körper eine große Wohltat erwiesen.
Fig. 20.
Wer sich scheut, den Guß von einem andern zu erbitten, und dazu selbst die Gewandtheit nicht besitzt, wasche sich den Oberkörper mit recht kaltem Wasser. Dann stelle er die bis über die Knie entblößten Füße in ein zum Teil mit Wasser gefülltes Gefäß, schöpfe mit was immer von dem Wasser und schütte dieses langsam über die Knie und den untern Fuß. Selbst bei dieser primitiven Selbstverabreichung der beiden Güsse wird die Wirkung nicht fehlen.
7. Der Armguß.
Wie die Beine bei Knie- und Schenkelguß für sich allein in Behandlung kommen, so kann es öfters auch sehr zweckdienlich sein, die Arme speziell zu begießen.
Der Guß beginnt vorne an den Händen und nimmt seinen Lauf hinauf bis gegen die Achseln; er wird stets beiderseits vorgenommen und für gewöhnlich reicht eine Kanne zu 15 Liter für einen Arm aus. Bald wird dieser Guß verordnet und genommen als einfaches Abhärtungsmittel der Arme, bald ist er sehr nützlich zur Auflösung der Stauungen in denselben, bald um Entzündungen zu dämpfen und deren Schmerz zu lindern, und bald um Gicht und Rheumatismus aus den Armen zu verscheuchen. Für Blutarme und Bleichsüchtige ist er eine große Wohltat. Wer einen sprudelnden Brunnen zur Verfügung hat, der halte beide Arme eine Minute unter denselben und ich werde ihm gewiß nicht den Vorwurf machen, daß sein Armguß kein richtiger ist.
8. Der Kopfguß.
Wollte ich diesen Guß ganz verschweigen, so würde ich einer Anwendung in meinem Heilverfahren nicht gerecht werden, der ich doch bei Augen- und Ohren-Gebrechen große Dienste und Erfolge zu verdanken habe. Dabei gießt man das Wasser über den Kopf und läßt den Strahl um die Ohren, auf die Backen und selbst zwei Sekunden auf das geschlossene Auge spielen. Zuerst verwendet man hiezu eine, später zwei Kannen voll Wasser. Wieder ist es nicht überflüssig, die Mahnung beizufügen, daß nach dem Kopfgusse das Haupthaar sorgfältig abgetrocknet werden muß.