Zur Winterszeit rate ich stets an, zuerst ungefähr zehn Minuten ins Bett zu liegen und erst, nachdem der ganze Körper warm geworden, die Waschung vorzunehmen.
b) Die Ganzwaschung für Kranke.
Gerade bei Kranken habe ich stets die Erfahrung gemacht, nicht nur wie wenig die Reibungen, Frottierungen usw. nützen, sondern auch wie sie vielmehr gar oft schaden durch ungleichmäßige Erwärmung, durch Aufregung u. a.
Vor allem dringe ich bei der Ganzwaschung der Kranken darauf, einmal, daß der ganze Körper, die Fußsohlen sogar inbegriffen, gewaschen werde, und dann, daß er gleichmäßig gewaschen werde: gleichmäßig sowohl in Bezug auf das an alle Stellen des Körpers verwendete Quantum Wasser, als auch in Bezug auf die Reibung, die mit jedem, selbst dem gelindesten Waschen verbunden ist. So nur wird die Naturwärme sich gleichsam natürlich, ungezwungen, gleichmäßig bilden; bei den angedeuteten Unregelmäßigkeiten müßte ihr Eintreten ebenfalls unregelmäßig, an den verschiedenen Stellen verschieden und, wenn nicht gerade von schädlicher, doch weniger günstiger Wirkung sein.
An Kranken lasse ich die Waschungen stets in folgender Weise vornehmen: Der Kranke setzt sich im Bette auf oder wird, wenn er allzu schwach ist, aufgesetzt und gestützt. Man wasche ihm schnell den Rücken, die ganze Wirbelsäule auf und ab. Das ist die Arbeit einer halben Minute, und der Kranke legt sich nieder. Jetzt wäscht man Brust und Unterleib; noch kräftige, nicht allzusehr geschwächte Personen tun dieses in der Regel selbst. In längstens einer Minute ist auch dies geschehen. Nun kommen die Arme an die Reihe und endlich die Beine. In drei, längstens vier Minuten ist alles vorüber, und der Kranke fühlt sich wohl, ja wie neugeboren.
Wie ich jedem, selbst dem schwer Erkrankten täglich Gesicht und Hände waschen kann, gerade so leicht kann ich mit gutem Willen und mit liebevoller Sorgfalt diese Waschung vornehmen. Das zweite und dritte Mal wird auch die Praxis schon eine bessere und größere sein.
Sollte einem Schwerkranken die Waschung des ganzen Körpers in der Tat auf einmal zu viel sein, dann teilt man die Ganzwaschung in zwei oder gar drei Teilwaschungen. Man wäscht in der Frühe Brust, Unterleib und Arme, nachmittags den Rücken und die Füße; oder man wäscht in den Morgenstunden die Brust und den Unterleib, gegen Mittag den Rücken, nachmittags die Arme und die Beine.
Eine vorsichtige, schnelle Waschung kann niemals schaden, selbst, wenn sie mit dem frischesten Wasser, — was das Beste ist — vorgenommen wird.
Wann und wie oft bei Kranken die Ganzwaschung zu geschehen habe, ist bei den einzelnen Krankheiten angegeben.
Ich bemerke hier nur noch, daß namentlich bei heftigem Fieber, dann bei allen von heftigem Fieber begleiteten Krankheiten, besonders beim Typhus und den Blattern die Ganzwaschungen eine Hauptrolle spielen und stets an die Stelle der kalten Ganzbäder treten, wenn diese aus irgend einem Grunde nicht genommen werden können.