Hier ist das Nervensystem aufs Tiefste angegriffen, und das Blut ist verderbt. Daher ist nothwendig, daß allererst auf Vermehrung der Naturwärme und Kräftigung des Körpers eingewirkt werde, daß eine gute Verdauung und gute Nahrung erneutes Blut und neue Nahrung für den Körper bringe.
Die Anwendungen sind folgende: 1) Jeden Tag zweimal im Wasser stehen bis an die Kniee, 1–3 Minuten lang. 2) Jeden Tag einmal, und wenn es die Naturkraft gestattet, zweimal Oberguß. 3) Jeden Tag eine Tasse Thee trinken von Johanniskraut, Salbei und Wermuth in drei Portionen. 4) Wo möglich jede Stunde einen Löffel voll Milch einnehmen, in welcher gemahlener Fenchel drei Minuten lang gesotten wurde; zudem täglich noch 5–8 Wachholderbeeren essen. So 14 Tage fortmachen; dann folgende Anwendungen:
1) In der Woche dreimal ein Halbbad, eine halbe Minute lang. 2) Viermal in der Woche drei Minuten lang im Wasser gehen bis an die Kniee. 3) Täglich den Unterleib mit halb Wasser und halb Essig einreiben. 4) Das Einnehmen der Milch und der Wachholderbeeren fortsetzen. So wieder 14 Tage.
Innerhalb dieser vier Wochen hat sich der ganze Zustand recht gut gemacht. Das Augenlicht besserte sich, die Kraft gewann wieder, und neues Leben trat ein. Die vorgeschriebene Kost während der ganzen Kur war hauptsächlich Kraftsuppe von schwarzem und weißem Brod, abwechselnd in Milch oder Fleischbrühe oder Wasser gekocht.
Die weiteren Anwendungen waren Halbbäder und Abhärtungen. So gesundete der Unglückliche nach und nach innerhalb mehrerer Wochen, so daß er seinen Studien obliegen konnte.
Das Stehen im Wasser, wie die Obergüsse wirkten erwärmend und kräftigend. Die Milch, stündlich ein Löffel voll, war zur Vermehrung des Blutes, die Wachholderbeeren bewirkten gute Verdauung und Kräftigung der innern Organe.
3.
Ein Studierender der höheren Schule sucht Hilfe für seine Leiden, die er mit folgenden Worten erzählt: „Ich bin auf der Hochschule in eine unglückliche Gesellschaft gerathen und habe durch Trunksucht und ein anderes Laster meine Natur so zu Grunde gerichtet, daß ich zweifle, ob ich noch dem Siechthum entgehen kann. In der Nacht habe ich die schrecklichsten Traumbilder, worauf ich dann aufwache und am ganzen Körper zittere. Ich habe weder Lust noch Freude zum Studium; denn sobald ich studieren will, bekomme ich Kopfschmerzen zum schwindlig werden. Häufig habe ich Frostfieber; mein Unterleib ist stark aufgetrieben. Füße und Hände sind meistens kalt. Mein Magen ist ganz schlecht. Was ist zu thun, um dem Siechthum zu entkommen?“
1) Täglich wenigstens dreimal barfuß auf dem feuchten Boden gehen, jedesmal 15–20 Minuten lang. (Zur Winterszeit müßte es in einer Waschküche auf nassen Steinen geschehen.) 2) Täglich zwei Obergüsse. 3) Jeden zweiten Tag ein zweifaches Tuch, in halb Wasser und Essig getaucht, auf den Unterleib binden 1½ Stunden lang, nach ¾ Stunden nochmal frisch eintauchen, wie es im Buche angegeben ist. 4) Täglich eine Messerspitze voll Kreidemehl einnehmen und eine Tasse Thee von Johanniskraut, Fenchel und Wermuth in 3 Portionen, kalt oder warm. So 3 Wochen lang.
Zur Kost wurde gerathen Kraftsuppe und einfache Hausmannskost. Verboten wurden geistige Getränke. Nach 3 Wochen hat sich der ganze Zustand gebessert. Weitere Anwendungen zur Erlangung voller Gesundheit waren: In der Woche 3 Sitzbäder zur Kräftigung des Unterleibs und 3 Halbbäder ½–1 Minute lang.