Das Gehen auf nassem Boden entzog die übermäßige Hitze, stärkte und leitete vom Kopfe ab. Die Obergüsse wirkten stärkend und belebend, der Thee verbesserte die Säfte und bewirkte bessere Verdauung, ebenso das Kreidemehl.

Anhang.

[1. Über Arnica (Arnica montana, Wohlverleih).]

Ich fragte einst einen Arzt, was er auf die Kräuter als Heilmittel halte. Er gab mir zur Antwort: Gar nichts. Ich stellte die zweite Frage, ob er auch glaube, daß die Arnica doch eine Wirkung habe. Dann gab er die Antwort: „Gerade auch diese ist nichts, sie ist aus der Medizin gestrichen, obwohl man gerade mit dieser den größten Schwindel treibt.“ Diese Äußerung brachte mich zu einem ruhigen Nachdenken; denn gewöhnlich ist das, was man am allergeringsten achtet, das Beste. Vor ungefähr einem Jahre bekam ich einen Brief von einem Arzte, der anfragte, warum ich doch für die Arnica nichts geschrieben habe, es sei doch in der Heilkunde diese Pflanze von so außerordentlicher Wichtigkeit; er ersuchte mich, ich möchte sie doch, wenn ich die Wirkung nicht genau kenne, prüfen und dann in meinem Buche empfehlen, wie sie es verdiene. Er legte sogar ein Broschürchen bei, welches handelte von den großen Wirkungen der Arnica. Ich habe die Wirkung derselben wohl gekannt, aber doch habe ich ihr auf Dieß hin eine größere Aufmerksamkeit zugewendet und sie recht vielmal geprüft – dabei aber gefunden, daß man sie, wie ihr Stengel gelb ist wie Gold, so auch die goldene Blume heißen dürfte. Wie sie aber früher einen anderen Namen getragen, der ihr auch jetzt beigefügt wird, so ist ihre Wirkung auch in diesem Beinamen enthalten: Wohlverleih (Wohlverleiher). Gewöhnlich wird sie gebraucht als Tinktur, die man bereitet, wie folgt: Gesammelte, getrocknete Blumen werden in ein Glas gebracht, mit gutem Branntwein oder noch besser mit Spiritus aufgegossen, halb Blumen, halb Spiritus oder Branntwein. Man läßt das Ganze zwei bis vier Tage stehen, und die Tinktur ist fertig. Am wirksamsten sind die Blumen, die Wurzeln sind etwas schwächer, noch schwächer die Blätter und Stengel. Diese Blume wächst am üppigsten in den Bergen, aber auch im Schwabenlande kommt sie vor, gewöhnlich am Rande einer Waldung oder im Walde, wo Holz abgetrieben wurde. Ihr Geruch ist ziemlich stark. Die Arnica-Tinktur wirkt besonders günstig bei Verwundungen, und es sollte wirklich keine Familie geben, die nicht ein Gläschen Arnica-Tinktur in Vorrath hat.

Ein Mädchen schnitt sich so stark in den Finger, daß der Finger zur Hälfte abgeschnitten war. Man konnte das Bein gut sehen. Ungesäumt wurde die Wunde mit Wasser, in das etliche Tropfen Arnica-Tinktur gemischt waren, gut ausgewaschen, damit nicht der geringste Unrath in der Wunde blieb. Die Wunde wurde gut zusammengefügt und mit einer leinenen Binde, in Arnica-Tinktur getaucht, gut zusammengebunden. Über diese Wunde, also auf den ersten Verband, wurde Baumwolle, auch in Arnica-Tinktur getaucht, aufgelegt und eingebunden. Aller Schmerz verschwand plötzlich. Den Tag darauf wurde die Wunde nur so weit geöffnet, daß man einige Tropfen Tinktur auf die Wunde gießen konnte, und weil nicht der geringste Schmerz vorhanden, blieb die Wunde fünf Tage zugebunden. Als die Binde weggenommen, war Alles vollständig verheilt.

Bei Verwundungen ist unstreitig die Arnica das allereinfachste und wirksamste Mittel. Allererst wird die Wunde auf's Sorgfältigste ausgewaschen mit Wasser, in welches Arnica-Tinktur gemischt ist, auf ein Viertel Liter Wasser einen Löffel Tinktur. Ist die Wunde auf's sorgfältigste ausgewaschen, dann wird sie auf's genaueste zusammengefügt, daß sie geschlossen ist, doch so, daß die zerrissenen Theile möglichst in die rechte Lage kommen; dann wird das Ganze mit einer leinenen Binde zugebunden. Auf diesen Verband wird Baumwolle, in Tinktur getaucht, aufgelegt und eingebunden oder vielleicht zweimal Baumwolle auf die zusammengefügte Wunde gelegt und eingewunden, wie sie sich eben am leichtesten schließen und verbinden läßt. Wie der Schmerz fast augenblicklich aufhört, so tritt auch kein Schmerz mehr ein; so gelinde geht die Heilung vor sich. Bei kleinen Verwundungen reicht das einmalige Verbinden schon aus. Bei großen Verwundungen müßte nachgesehen werden, ob sich kein Eiter bilde, der dann ausgewaschen werden müßte, worauf auf's Neue eingetauchte Wolle aufgebunden würde. Wie diese angeführte Verwundung, so wurde eine größere Zahl Verwundungen mit gleich raschen, schmerzlosen Erfolgen geheilt.

Die Arnica ist nicht bloß bei Verwundungen, sondern auch bei Quetschungen gut. Es wurden einem Pferd am hinteren Fuß von einem andern Pferd in's dicke Fleisch mehrere Striemen geschlagen, so daß selbes keinen Augenblick auf diesem Fuß mehr stehen konnte; es hatte mehrere tiefe Löcher von den Griffen der Eisen, natürlich auch starke Blutungen, so daß ich glaubte, es sei am besten, das ohnehin ziemlich bejahrte Pferd dem Abdecker zu geben. Es war mir aber eine günstige Gelegenheit, die Arnica bei diesem Pferde zu prüfen, und so wurde die zerschlagene Fläche mit Arnica-Tinktur, zur Hälfte mit Wasser vermischt, kräftig eingewaschen. Täglich zweimal wurde dieses Einwaschen erneuert, und ich konnte nicht begreifen, wie keine Eiterung eingetreten, und wie unglaublich schnell die Heilung vor sich ging. Das Pferd wurde nach wenigen Tagen wieder so gesund und kräftig, wie es vorher war; die Wunden verheilten ganz schnell, so daß nichts mehr zu sehen war, und auch die tiefeingedrungenen Quetschungen wurden vollständig gehoben. Dieses Pferd, welches ich für verloren hielt, war nach 12 Tagen wieder hergestellt. Arnica heilt also nicht bloß Wunden zu, sondern zertheilt auch das durch Schlag und Stoß unterlaufene Blut.

Jakob litt sehr lange an Kreuzschmerzen; er that viel, um sie zu entfernen, doch vergebens. Er hatte auf dem Rücken von Zeit zu Zeit das Gefühl, als wolle ein Ausschlag herauskommen; ein solcher kam jedoch nie zum Vorschein, die Natur war zu schwach. Er nahm Arnica-Tinktur und rieb damit den Rücken in einem Tage dreimal fest ein. Der Schmerz wurde dadurch bald gelindert, und nach drei Tagen zeigte sich auf dem ganzen Rücken ein starker Ausschlag, der innerhalb vier Tagen verheilte, so daß nun aller Schmerz verschwand. Wieder ein Beweis, wie Arnica kranke Stoffe zertheilt, so daß die Natur dann im Stande ist, sie auszuscheiden.