Dieses einfache praktische Bild zeigt uns das Verfahren bei der Wasserheilkunde. Wenn man die Anstauungen, die unzählig sein können, kleinere, mittlere und größere, die in einem Körper herrschen, sehen könnte, so würde man staunen ob der vielen Gebrechen und sich fragen: Wie kann ich wohl alle beseitigen? Den Einen hat ein Schlag getroffen, eine Blutstauung ist schuldig; er kann auch nicht gesund werden, weil die Blutstauungen noch vorhanden sind. Ein Anderer hat einen halb lahmen Fuß; derselbe ist viel dünner, ist nicht gehörig genährt, deßhalb verkümmert; es ist eine Blutstauung im Leibe, die keine Medizin aufzulösen vermag. Ein Dritter hat ein fürchterliches Kopfweh; es ist im Kopfe eine Blutstauung; wieder ein Anderer hat den Hexenschuß; es ist ihm eine Masse Blut eingedrungen. So und ähnlich klagen Unzählige. Für solche Zustände hat gewöhnlich die Medizin keine Hilfsmittel; meine Wasserheilkunde hat hiefür einen großen Vorrath, schwächere und stärkere, für Kinder und Erwachsene, auch die Hochbetagten nicht ausgenommen, ähnlich dem Kleiderputzer, der auch zwei oder drei stärkere und schwächere Rohre hat. Es ist ganz unglaublich, was die Güsse mit Wasser vermögen. So sieht man öfters Beispiele von Heilungen, die Manchem fast unglaublich scheinen, weil für solche Leiden sonst keine Mittel vorhanden sind. Ein Mädchen war daran, sich aus der Nase todt zu bluten, so heftig drang das Blut dem Kopfe und der Nase zu; eine Gartengießkanne voll Wasser auf Nacken und Kopf machte der Blutung augenblicklich ein Ende.

Die verschiedenen Gießungen können eingetheilt werden in: Halsgießungen, Obergüsse, weil sie den oberen Theil des Körpers betreffen, in Armgießungen (wenn z. B. eine Blutanstauung sich am Arme gebildet hat, die durch andere Mittel nicht entfernt werden kann, so treiben eine oder zwei Kannen Wasser, öfter wiederholt, solche Anstauungen weg) und Rückenguß, der den ganzen Rücken erfaßt und auf alle Anstauungen einwirkt, sie mögen von Blut oder Säften herkommen. Wenn der Blutlauf zu schlaff und unthätig ist, ist der Rückenguß einer Geißel gleich, die das faule Pferd treibt. Wie leicht können Anstauungen des Blutes, wie im Rücken der Hexenschuß, im Schenkel vorkommen? Wer will das eingedrungene Blut, das stille steht, nicht vorwärts und rückwärts kann, weil zu schlaff, in Bewegung bringen? Beim Rückenguß heißt es, das Blut gehe seine Wege, damit es in allen Adern an Ort und Stelle komme und das ausgenützte Blut nicht an verschiedenen Stellen herumlungere, sondern wieder zum Herzen zurückkomme. Wie viel haben endlich die Füße zu leiden durch Kälte, durch Wärme, durch Tragen, durch Gehen? Es ist kein Wunder, wenn verschiedene Stauungen von Blut und dergleichen vorkommen; die Schenkel- und Kniegüsse bewirken hier, was der Rückenguß auf dem Rücken erreicht. Es schwellen Jemandem die Knie auf; sie werden ganz entzündet, die Schmerzen sind groß. Wer will leugnen, daß sich da viel Blut angelagert habe und der Blutlauf oft die einzige Ursache ist! Der Knieguß klopft und klopft wiederholt und abermal, bis auch diese Stauung gehoben ist. So können oft die größten Geschwülste mit den empfindlichsten Schmerzen einfach durch Gießungen gehoben werden, wenn man es versteht, kunstfertig die Güsse anzuwenden, wie der Bediente den Rock auszuklopfen weiß. – Christian hat nach Aussage der Ärzte Lungenemphysem, herrührend von einer vorausgegangenen Lungenentzündung. Hier ist doch klar, daß bei der Heilung viel Schleim zurückgeblieben ist, der noch an den inneren Organen angeklebt hängt und nicht weiter gebracht werden kann. Sechs Obergüsse und Brustgüsse haben Alles losgemacht; eine Masse Schleim hat sich gelöst, und der Kranke athmet jetzt ganz gesund. Freilich könnte Mancher sagen, man läßt über den Körper eine Douche, einen Regenstrom. Ich aber verwerfe Dieses, weil solch ein Regen der Natur zu viel Wärme entzieht und auch die schuldlosesten Theile mißhandelt. Es kommt mir vor, wie wenn der Kleiderputzer einen großen Ruthenstrauch nimmt und auf die Kleider, die er zu putzen hat, insgesammt einhaut. Wer das Gießen versteht, ist ein Künstler in der Heilkunde. Wer es nicht glaubt oder verachtet, der geht in seiner Verlegenheit von dannen und weiß dem Kranken nicht zu helfen. Die Verschiedenheit der Güsse und ihre Anwendungen sind in einzelnen Beispielen auseinandergesetzt.

[4. Bäder.]

Wie es verschiedene Arten zu gießen gibt, durch die man auf einzelne Theile, wie auf den ganzen Körper einwirkt, so gibt es auch verschiedene Bäder, die wieder auf einzelne kranke Stellen, wie auch auf den ganzen Leib wirken. Wie häufig nehmen die Leute beim Kopfweh ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, leiten das Blut aus dem Kopfe abwärts und entfernen auf diese Weise ihren Kopfschmerz. Wie es Fußbäder gibt, so können auch Knie- und Schenkelbäder, Halbbäder und ganze Bäder genommen werden, warme und kalte. Die Wirkung geht dann wieder auf einzelne Theile des Körpers oder auf den ganzen Körper, je nachdem es der Zustand erfordert. Die warmen Bäder werden nur gewählt, wo die Wärme fehlt und deßhalb die Natur unterstützt wird, oder wenn bei Verhärtungen wie Gicht und ähnlichen Leiden kräftige Auflösungen eintreten müssen, daß man mit stärkeren kalten Anwendungen weiter einwirken kann, was wiederum in den einzelnen Beispielen hinreichend auseinandergesetzt ist. Es sind da verschiedene Gattungen von Bädern bezeichnet: Fußbäder, Kniebäder, Schenkelbäder, Ganzbäder, Handbäder, Augenbäder u. s. w. Die genauere Anleitung bei der Anwendung geben wiederum die einzelnen Fälle.

[Nachwort.]

In dem Buche „Meine Wasserkur“ habe ich die Bemerkung gemacht, ich werde seinerzeit ein eigenes Büchlein schreiben über Erziehung. Seitdem sich die „Wasserkur“ allgemein verbreitet hat, habe ich eine große Anzahl Briefe bekommen mit der Anfrage, wann denn dieses neue Buch endlich erscheinen werde. Mit dem besten Willen fand ich nicht Zeit dazu, wollte aber doch mein Versprechen halten. Ich habe mich deßhalb stundenweise eingesperrt, um doch einige Zeit dem Büchlein schenken zu können. Nun ist es fertig und soll, gleich der „Wasserkur“, hinausgehen in die Welt. Schon weil mir die Zeit fehlte, konnte ich das Buch nicht bearbeiten, wie man es vielleicht erwartete. Ich wollte auch kein wissenschaftliches Werk schreiben und mache nicht im Geringsten Anspruch auf Wissenschaft und Gelehrsamkeit; im Gegentheil, ich möchte, wie ein einfacher Landpfarrer seinem Volke eine praktische Predigt hält, die allgemein verständlich und nützlich ist, so auch in diesem Buche in der einfachsten, populärsten Weise zu den Leuten reden. Und was ich mein Leben hindurch mittels Beobachtung und Erfahrung gewonnen habe, das möchte ich allen Lesern dieses Buches zuwenden, indem ich ihnen zurufe: „So sollt ihr leben!“

Wie eine Predigt, wenn sie scharfe Wahrheiten enthält, gar oft unlieb aufgenommen wird, so mag auch, was ich in diesem Buche aufgestellt habe, von mancher Seite nicht die beste Aufnahme finden. Doch das verschlägt nichts; denn wie in einer Predigt selten alle Zuhörer die offene Wahrheit ertragen, so geht es auch mit den praktischen Lebenswahrheiten. Am allerbesten ist's, man mache den Versuch, und es wird sich schon herausstellen, wer Recht oder Unrecht hat.

In meiner „Wasserkur“, welche seitdem allseitig die Runde gemacht, habe ich bereits den Wunsch ausgesprochen, es möchten sich Fachmänner um die Wasserkur annehmen, damit ich von dieser Last befreit werde, da ich doch in der Seelsorge Arbeit genug habe. Wenn man es auch nicht glauben will, so ist es doch wahr, daß ich für das medizinische Fach weder Studium gemacht noch auch mich leidenschaftlich in dasselbe vertieft habe. Wie die Noth mich selbst zum Wasser geführt, so hat mich das Mitleid mit den Kranken, Leidenden und allseitig Verlassenen dabei bleiben lassen; ich kann jedoch nichts sehnlicher wünschen, als daß man mir diese Last abnehme. Ein Arzt, den ich empfohlen, hat bereits im Jordanbad mit dieser Heilmethode begonnen; er fühlt sich recht zufrieden damit, und die leidende Menschheit ist froh, wenn sie auf diese einfache Weise geheilt wird. – Ein zweiter Arzt, der in Wörishofen den Betrieb der Wasserkur kennen gelernt und sechs Wochen hindurch eingeübt hat, that die Äußerung: „Es ist wider alles Erwarten, wie das Wasser in dieser einfachen Weise wirkt.“ Derselbe hat bereits eine kleine Heilanstalt gegründet, und die Kurgäste befinden sich recht wohl bei diesen Wasseranwendungen. – Ein dritter Arzt, Herr Sanitätsrath Dr. Bilfinger, war auch hier, hat mit großer Aufmerksamkeit die ganze Sache durchschaut, innerhalb mehrerer Tage die ganze Methode liebgewonnen und fängt nun bereits an, in dieser Weise den leidenden Menschen behilflich zu sein. Auf die Frage, wie ihm diese Methode gefalle, gab er zur Antwort: „Mich überzeugen die Geheilten von Stuttgart, die krank fortgingen und geheilt zurückkehrten. Diese waren auch die Veranlassung für mich, der Wasserheilmethode näher zu treten, und jetzt bin ich höchst überrascht über die Einfachheit und Wirksamkeit der Anwendungen. Ich werde das Möglichste thun, dieser Methode Geltung zu verschaffen.“ – Herr Dr. Bernhuber, der Badearzt in Wörishofen war, ist nach Rosenheim gezogen. Dieser besonders durch Operationen berühmte Arzt hat es öfters ausgesprochen: „Wenn die Beispiele von Geheilten nicht vorlägen, könnte ich es nicht glauben, daß das Wasser solche Wirkungen hervorzubringen im Stande wäre.“ Gerade für Rosenheim wollte man einen Arzt, der nach dieser Methode kurierte, und hat für den kommenden Arzt diese Bedingungen gestellt. – Wie die Genannten, so hat auch in Neu-Ulm der praktische Arzt Dr. Klotz durch mehr als sechs Wochen diese Methode kennen gelernt und eingeübt und am Schlusse gesagt: „Mich freut jetzt die Medizin auf's Neue, weil ich gelernt habe, Krankheiten zu heilen, an deren Heilung man sonst verzweifelte.“ Auch dieser Arzt hat bereits mit der Wasserkur begonnen und bei einem kürzlich mir gemachten Besuche sich ausgesprochen, es gehe ihm recht gut, und er habe auf diese Weise schon Mehrere geheilt, die er sonst nicht hätte heilen können. – So hat auch der praktische Arzt Herr Dr. Schlichte, derzeit in Biberach, diese Methode mit regem Interesse kennen gelernt und eingeübt. – Auch in Prag (in Böhmen) ist Professor Jezek bereit, Hilfesuchenden nach dieser Heilmethode Rath und Anweisung zu ertheilen.