Es gereicht mir zu großer Freude, daß diese edlen Männer so eifrig das aufsuchten, was sie zum Nutzen der Menschheit für dienlich erachteten, und ich hätte nur einen Wunsch, es möchten mehrere junge Fachmänner sich vorerst genau mit dieser Methode befassen, bis sie zur Überzeugung gelangen, daß das Wasser, in dieser einfachen Weise angewendet, ein vorzügliches Heilmittel ist. Ich will ja nicht als der Entdecker der Thatsache gelten, daß das Wasser ein Heilmittel ist; ich suchte nur den Wasserstrom in der gelindesten Weise für die menschliche Natur zu verwenden. Ich besitze mehrere Briefe, in denen ich von den Schreibern derselben angegangen wurde, doch dahin zu wirken, daß für ihre Stadt und Gegend ein Arzt komme, der meine Methode gut gelernt und eingeübt habe. Es thut mir wirklich wehe, daß ich solchen gutmeinenden Leuten nicht gründlich unterrichtete Ärzte schicken kann.

Sollte irgend ein junger Arzt, der noch nicht eine gesicherte Stellung hat, die er ungern verließe, diese Zeilen lesen, so möchte ich ihm zurufen: „Lernen Sie dieses einfache Verfahren! Sie werden der Menschheit nützen und sich auch eine ergiebige Erwerbsquelle verschaffen.“ Ich kann Jeden hoch und theuer versichern: Ich will mich gar nicht durch mein Werk groß machen, will mich auch durchaus nicht über einen Fachmann stellen; im Gegentheil, ich habe vor jedem Stande, der recht verwaltet wird, eine hohe Achtung. Aber das ist und bleibt wahr, daß Keiner auslernt. Tag für Tag durch's ganze Leben müssen wir in die Schule der Erfahrung gehen, und selbst am Sterbetage wird man noch nicht ausgelernt haben.

Freilich heißt es: „Man stirbt auch bei der Wasserkur; man hat Diesen oder Jenen nicht mehr retten können;“ oder: „Es ist mit der Wasserkur gar noch schlimmer geworden.“ Darauf antworte ich kurz: „Für den Tod ist kein Kraut gewachsen; sterben muß Jeder.“ Sodann kommen, wie ich mich hundertmal überzeugte, zur Kur oft Solche, die keine Hilfe mehr gefunden haben und von allen Ärzten schon aufgegeben waren. Oder es kamen Solche, auf die der Tod schon seine Hand gelegt, und die das unruhige Verlangen fortgeführt, gesund zu werden. So kam zu mir ein Kranker von weiter Ferne; er war, von der Reise ganz erschöpft, gar nicht mehr im Stande, seine Krankheit zu erzählen. Er mußte eilig in's Bett, hatte hochgradige Lungensucht. Von Wasseranwendungen war keine Rede. Nach neun Tagen starb er, und da hieß es bei Manchen: „Die Wasserkur hat ihn umgebracht.“ Ein Herr aus weiter Ferne kam in Begleitung, weil er nicht allein reisen konnte, mit einem solchen Herzleiden, daß er trotz aller Mühe nicht eine Treppe besteigen konnte. Zwei einzige Male hat er sich bloß im Zimmer gewaschen, und während er in der größten Heiterkeit und Fröhlichkeit im Garten verweilte, sank er um, vom Herzschlag getroffen, und starb. Natürlich mußte das unschuldige Wasser seinen Tod verschuldet haben. Doch wer denken gelernt hat, setzt sich über Derartiges hinweg. Allerdings kann bei dem Einen oder Andern die Wasserkur Nachtheile gebracht haben und bringt sie auch; aber sicher nur dann, wenn nicht in der rechten Weise die Anwendungen gewählt oder vorgenommen werden. Einer von den oben genannten Ärzten sagte: „Die Anwendungen sind so delikat und wirksam, daß die Auswahl nicht leicht ist, wenn man nicht eingehend die ganze Wirksamkeit des Wassers kennen gelernt und dessen Anwendungen eingeübt hat.“ Und deßhalb habe ich in vorliegendem Buche nicht bloß die Krankheitsfälle mit den betreffenden Anwendungen bezeichnet, sondern auch jedesmal dazu bemerkt, was die einzelnen Anwendungen wirken, damit nicht die geringste Unklarheit betreffs der verschiedenen Anwendungen übrig bleibe, und warne ich nochmals eindringlich vor jeder Übertreibung, Unvorsichtigkeit und Unüberlegtheit. Bei so genauer Beschreibung der Krankheiten und Anwendungen ist es Jedem bei der gehörigen Vorsicht leicht ermöglicht, das ihn Betreffende selbst auszuwählen. Ich bemerke das, weil es mir unmöglich ist, eigens zu antworten.

Und so gehe nun auch du, lieber Rathgeber, gleich der „Wasserkur“ hinaus in die Welt und predige Tag für Tag, was du auf der Stirne trägst: „So sollt ihr leben!“ Wirst du gehört und hat deine Predigt Erfolg, gut dann; – wirst du nicht beachtet oder gar verunglimpft, so ertrage auch dieses; denn Mißgeschick ist ja fast Aller Loos. Gehe aber nicht ohne die Weihe der Religion; sondern, gleich dem Kinde, das von Vater und Mutter gesegnet, die Heimath verläßt, so gehe auch du mit dem Segen des Himmels! Und dein Verfasser wird täglich von Gott erflehen, daß sein Segen dein beständiger Begleiter und Führer sei.

Wörishofen am Feste der hl. Kirchenpatronin Justina,
26. September 1889.
Der Verfasser.

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