Ein Hausvater brachte mir seinen 16jährigen Sohn und erzählte, daß dieser für die Landwirthschaft zu schwächlich sei; er habe vor acht Jahren eine Krankheit gehabt, und seit der Zeit sei sein Körper nicht mehr recht fest. Der Vater fragte mich, ob er nicht studieren solle, damit er später eine leichtere Beschäftigung haben könne. Ich gab ihm zur Antwort: Lasset täglich euren Sohn zur Frühlings-, Sommer- und Herbstzeit zehn Minuten im Wasser gehen, in jeder Woche zwei- bis dreimal einen Oberguß nehmen und ein- oder zweimal in der Woche ein Halbbad. Laßt ihn dieß fünf Wochen lang so machen. Nach dieser Zeit soll er zwei- bis dreimal Halbbäder wöchentlich nehmen. Nach ungefähr zwölf Wochen kam der Vater mit seinem Sohne wieder, verwundert und hocherfreut über die große Veränderung, die mit demselben vorgegangen war. Der Sohn hatte jetzt Freude und Lust an den Arbeiten, konnte selbe auch ohne Beschwer verrichten, und er war recht froh, daß er für die Landwirthschaft brauchbar geworden war.

Wenn mein wohlgemeinter Rath bei der mir stets theuren Jugend Aufnahme findet, und wenn Eltern und Vorgesetzte dazu beitragen, daß er vollzogen wird, dann bin ich überzeugt, daß es mit der Jugend künftig viel besser gehen wird.


[Höhere Schulen.]

Der Mensch ist nicht bloß für diese Welt erschaffen. Gott hat ihm ein viel höheres und besseres Loos beschieden. Er soll nach kurzer Prüfungszeit auf Erden ein ewiges Glück im Himmel genießen. Diese seine Bestimmung muß er durch Erfüllung der göttlichen Gebote und der Pflichten seines Standes zu erreichen streben. Damit er aber auf dem Wege zu seinem Ziele durch Andere nicht behindert werde und nicht durch Unkenntniß oder aus andern Ursachen von demselben abirre, ist es nothwendig, daß Ordnung und Frieden unter den Menschen aufrecht erhalten werden und eine stete sichere Leitung derselben zu ihrem Ziele hin stattfinde. Dieses soll nach Gottes Willen durch den Staat und die Kirche geschehen. Staat und Kirche haben für das Wohlergehen der Menschheit zu sorgen und derselben zur Erreichung ihres Lebenszweckes behilflich zu sein. Wie nun jedem Menschen von Gott ein Beruf zugewiesen wird, so sind auch von ihm Diejenigen bestimmt, welche in der Kirche und im Staate Vorsteher und Leiter sein sollen. Daß aber diese eine höhere Schule durchmachen und mehr verstehen und wissen müssen als Jene, die nach Gottes Anordnung nur die gewöhnlichen Arbeiten verrichten sollen, wird Jedem einleuchten. Wie ein Künstler die Kunstschule besuchen und viel lernen und üben muß, bis er in seinem Fache ein Meister wird, so müssen auch die Leiter und Vorsteher in Kirche und Staat besondere Schulen durchmachen und recht Vieles lernen, bis sie im Stande sind, ihr Amt zum Glück des Volkes zu verwalten. Es sind deßhalb für sie höhere Schulen erforderlich, wo sie sich die nöthige wissenschaftliche Ausbildung aneignen, und Lehrer, die ihnen dieselbe vermitteln können. Da aber für Jene, welchen die Leitung in Staat und Kirche übergeben werden soll, vor Allem eine solide religiöse Grundlage nothwendig ist, wenn sie in segensreicher Weise wirken sollen, so müssen die Lehrer der künftigen Diener des Staates und der Kirche ihr vorzüglichstes Streben darauf richten, daß diese eine solche erhalten. Letzteres werden sie aber nur dann erreichen, wenn sie selber Religion besitzen. Nur dann werden sie in einer Weise, die ihren Zöglingen zu Herzen geht, die christlichen Wahrheiten vortragen; nur dann werden sie, was mindestens ebenso wichtig ist, durch das eigene Beispiel ihren Worten den erforderlichen Nachdruck verleihen und die ihnen Anvertrauten zum Guten hinführen. Nur in dieser Weise werden sie auch die Erwartungen der Eltern befriedigen, die ihnen ihre Kinder nicht bloß zur Ausbildung in der Wissenschaft, sondern auch zur Erziehung nach den Grundsätzen des christlichen Glaubens übergeben. Wo ist ein Vater oder eine Mutter, die nicht die Religion als den vorzüglichsten Gegenstand betrachtet wissen wollen, den man ihren Kindern beibringen soll, oder die das Theuerste, was sie auf Erden haben, einem Manne zur Ausbildung anvertrauen möchten, dem die Religion eine gleichgiltige Sache ist oder der sie gar verachtet? Deßhalb also sollen alle Lehrer einer höheren Bildungsanstalt von religiöser Gesinnung durchdrungen sein. Wenn dagegen der eine die Religion liebt, der andere aber gerade das Gegentheil thut, so wird die Jugend nur in Verwirrung gebracht. Da ferner das Böse viel leichter beim Menschen Eingang findet als das Gute, so wird der religionslose Lehrer viel mehr Unheil stiften, als der brave Gutes bewirkt, und mancher Zögling wird in Folge hievon an seinem Glauben Schiffbruch leiden und dann auch sittlich zu Grunde gehen. Den jugendlichen Herzen, welche weich sind wie Wachs, wird eben nur zu leicht durch unchristliche Lehrer anstatt des Bildes Gottes das Bild des Satans aufgedrückt werden.

Der Lehrer an einer höheren Bildungsanstalt soll jedoch nicht bloß Religion haben und Religion lehren, er soll auch wohl berücksichtigen, wie die jugendliche Geistes- und Körperkraft beschaffen sei, und darauf achten, daß sich beide gehörig entwickeln. Wie eine Pflanze aus der Erde hervorsproßt und erst allmählich groß und stark wird, so geschieht es auch mit dem Menschen. Durch eine richtige Erziehung wird er allmählich geistig wie körperlich erstarken; ist dieselbe eine verfehlte, so werden Geist wie Körper zu Grunde gehen. Es hat somit der Lehrer an einer höheren Bildungsanstalt für ein Doppeltes zu sorgen: erstens, daß über dem Lernen der Leib nicht verkümmere, und zweitens, daß sich der Geist in richtigem Verhältniß entwickle. Es soll keine Überladung des Geistes das Wachsthum hindern oder gar eine Verkümmerung der leiblichen Gesundheit herbeiführen. Nichts ist für die jungen Leute nothwendiger als Bewegung; nichts ist nachtheiliger als zu vieles Sitzen beim Arbeiten. Die Pferde, welche zu viel angebunden bleiben, entwickeln sich nie zur vollen Kraft. So ist auch für die Jugend das zu viele und lange Sitzen gefährlich; es kann leicht eine Schädigung des Körpers eintreten. Von Jahr zu Jahr nehmen die Geisteskräfte zu, und dem entsprechend sollen auch die Unterrichtsgegenstände gewählt werden. Wenn man aber den Schulplan unserer heutigen höheren Bildungsanstalten vergleicht mit dem vor 30 bis 40 Jahren, welch' ein himmelweiter Unterschied ist in der Aufgabe, welche die Jugend lösen soll! Man hört allgemein klagen: es werden zu große Anforderungen an die Jugend gestellt. Ich bin ganz dafür, daß man soviel lernen soll, als nur möglich ist; aber was hat man denn gewonnen, wenn man viele Gegenstände gelernt, aber keinen recht gelernt und überdieß noch seine Gesundheit ruinirt hat? Dadurch wird man gewiß nicht befähigt, seinem zukünftigen Berufe recht zu genügen.

Es ist bereits gesagt, daß der erste Gegenstand des Unterrichts auch in der höheren Schule die Religion sein müsse. Was ist ein Mensch ohne Religion? Aber statt auf den höheren Unterrichtsanstalten hierin weiter gebildet zu werden, vergißt man nur zu oft das, was man früher von derselben gelernt hatte. Ja noch mehr: viele junge Leute verlieren dort nicht ohne Schuld der Lehrer ganz und gar ihre frühere religiöse Überzeugung. Was aber werden sie mit der Zeit ohne den Halt des christlichen Glaubens werden? Die einen fallen der Trunksucht anheim, andere werden ein Opfer der Unsittlichkeit, und der größte Theil wird Handlanger bei den Angriffen auf kirchliche und staatliche Ordnung. Mir ist kein Fall bekannt, daß sich ein besonnener junger Landmann oder ein religiöser Geselle das Leben genommen hätte. Leider aber kann man viele Beispiele in den Zeitungen lesen, daß Schüler aus den humanistischen Schulen, weil sie ihre Religion verloren hatten, durch Selbstmord ihr Leben geendet haben. Das sind in der That traurige Früchte, die diese Schulen gezeitigt haben. Wird die Religion aber als das Nothwendigste erfaßt und in die Herzen der Jugend tief eingeprägt, dann ist hierdurch auch für den Unterricht in den übrigen Gegenständen viel gewonnen. Denn es wird dann das Studium derselben als eine Pflicht aufgefaßt und deßhalb mit Eifer betrieben. Ist aber einmal der Geist durch Unglauben auf falsche Bahnen gerathen und seiner Bestimmung auf Erden fremd geworden, so erkennt er es nicht mehr als seine Pflicht, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Von einem ersprießlichen Wirken für Kirche und Staat kann dann auch nicht mehr bei ihm die Rede sein; im Gegentheil, er wird alles Mögliche aufbieten, das niederzureißen, was er aufbauen sollte. Das sind die traurigen Folgen eines verfehlten Unterrichts.

Ein mir bekannter Vater hatte sechs Kinder und erzog sie alle recht strenge; einen Sohn ließ er studieren, weil er Lust und Talent dazu hatte. Nach Verlauf von fünf Jahren hatte derselbe seinen Glauben wie auch die Liebe zu seinen Eltern und Geschwistern verloren und der Trägheit und Trunksucht sich ergeben. Wo aber Bacchus herrscht, ist Venus auch nicht fern, und um es kurz zu sagen, er ist zum größten Taugenichts geworden. Seine Geschwister hingegen sind brave Menschen und erfüllen die Pflichten ihres Berufes.

Ich kannte einen jungen Menschen, für den die Eltern Alles geopfert hatten. Sie konnten von ihm viel erwarten, weil der Sohn gutes Talent hatte und gut erzogen war. Auf einmal änderte er aber seine gute Gesinnung und erklärte, er habe jetzt von seinen Lehrern erfahren, die Religion sei bloß für die alten Weiber. Er brauche sie nicht mehr. Die Folge war, daß er ein ebensolcher Taugenichts wurde, wie der oben Angeführte.