Von einer anderen Familie wurde die Tochter in derselben Absicht einem Institut übergeben. Nachdem sie aber von dort heimgekehrt war, konnte der Vater seine vornehme Tochter für seinen Haushalt nicht mehr brauchen, da sie die vorkommenden Arbeiten nicht mehr besorgen wollte. Da nahm der energische Mann aber einen Strick und trieb sie zur Arbeit. Hat er daran nicht vernünftig gehandelt?
Was ist gefährlicher als Eitelkeit? Sie ist die Führerin von der Einfachheit zur Prunksucht. Wo Eitelkeit ist, da findet sich leicht die Hoffart ein, und wo diese herrscht, fehlen Bescheidenheit und Genügsamkeit. Ich halte Institute, in welchen die weiblichen Personen in dieser Weise erzogen oder vielmehr verzogen werden, für ein großes Übel unserer Zeit. Gerade durch die Institute sollten die Zöglinge zur Einfachheit, zur Bescheidenheit, zur Demuth und zum Opfersinn angeleitet werden, weil diese Eigenschaften und Tugenden das Fundament für ein wahrhaft glückliches Leben sind. Für ein nobles Leben sind die jungen Gemüther empfänglich genug: gewiß greifen die Mädchen lieber nach Glacehandschuhen als nach dem Besen oder dem Strickzeug, und es fehlt oft nicht viel, daß sie es für eine Schande halten, letzteres in die Hand zu nehmen.
Zu beklagen ist es auch, wenn in solchen Instituten Derartiges geschieht, wie ich es jetzt erzählen will. Es kam ein Mädchen zu mir und klagte über heftiges Kopfweh. Es hatte schon viel gebraucht, konnte aber nicht davon frei werden. Auf die Bemerkung: „Wie es mir scheint, sind Sie geschnürt,“ gab es zur Antwort: „Ich kam in ein Institut, und wir mußten dort alle einen gut anliegenden Schnürleib tragen; ich mußte deren zwei kaufen.“ Das Mädchen glaubte nicht, daß das Tragen desselben Ursache an seinem Übel sein könne, weil sie am einfachsten unter allen Zöglingen gewesen sei. Ich gab ihm den Rath, es solle sich wieder kleiden, wie es zu Hause bei seinen Eltern geschehen sei. Dasselbe folgte mir, und nach wenigen Tagen war das Kopfweh verschwunden. Dieses Beispiel ist aber nicht das einzige seiner Art, das mir vorgekommen ist; es braucht gar nicht viel, daß man durch die Kleidung die Blutcirculation stört, und die nachtheiligen Folgen bleiben dann gewiß nicht aus.
Mir erzählte ein Graf, er sei in einem Institute gewesen, wo er neben seinem Studium die Hauswirthschaft recht gut gelernt habe; er habe sich sein Bett jeden Morgen selbst zurecht machen, seine Kleider selbst ordnen, auch seinen Zimmerboden selbst reinigen müssen. Dadurch sei er inne geworden, wie die Hausarbeiten verrichtet werden müssen. Er sei hierfür jener Anstalt sehr dankbar und habe das Gelernte recht gut brauchen können. Seine Söhne werde er alle gerade deßhalb diesem Institut übergeben, weil man dort für das Leben unterrichtet werde. Wenn nun ein Graf es für gut hält, seine Söhne so unterrichten zu lassen, und öffentlich seine Anerkennung über das genannte Verfahren ausspricht, was soll man denn von einem Institut für Mädchen sagen, wenn die Zöglinge desselben weder ihr Zimmer zu ordnen, noch anderes Derartiges zu besorgen haben, oder wenn es sogar vorkommt, wie mir Dies versichert wurde, daß dieselben noch angezogen werden, als wären sie unmündige Kinder? Verfehlt ist es auch, wenn die jungen Mädchen in den Küchenarbeiten nicht gehörig unterrichtet werden. Kann man denn wirklich glauben, es sei für weibliche Personen nicht nöthig, die Besorgung der Küche zu lernen? Muß nicht auf die Unterweisung hierin ein ganz besonderes Gewicht gelegt werden, wenn die Erziehung eine vernünftige sein soll? Auch ist Niemand ausgenommen von der Arbeit, und sollte auch ein Mädchen Aussicht haben, eine gnädige Frau zu werden, so wird es ihm doch nur Ehre machen können, auch in der Küche tüchtig zu sein. Wie armselig steht am Ende eine solche da, wenn ihre Köchin weiß, sie versteht nichts von der Küche!
Ich kannte eine Baronin, welche allgemeines Ansehen genoß, die alle Tage in der Küche war, und sogar ihre Mägde im Kochen unterrichtete. Sie stand eben deßhalb in so hohem Ansehen und war so allgemein geliebt. Ich halte dafür, daß, nothwendiger noch als im Lesen und im Schreiben, alle Zöglinge in den häuslichen Arbeiten unterrichtet werden müssen. Bloß zum Essen und Trinken, zum Roman lesen und Visiten machen, Unterhaltungen und Gesellschaften aufsuchen, dazu ist doch fürwahr kein Mensch erschaffen. Wie froh bin ich heute noch, daß ich bei Landwirthen und im Handwerk bis zum 21. Lebensjahre gearbeitet habe! Ich brauche mich dessen nicht zu schämen; geschadet hat's mir auch nicht, wohl aber unendlich viel genützt, und ich danke meinem Schöpfer, daß er mich diesen Weg geführt hat. Jene Institute sollten es in der That als eine heilige Pflicht ansehen, daß, wie in der heiligen Religion, so auch in den häuslichen Arbeiten die Mädchen gehörig unterrichtet würden.
Es herrschte einst unter dem Volke der Spruch: „Selbst gesponnen, selbst gemacht ist die beste Landestracht.“ Das sind schöne Worte, und wer ihnen folgt, kommt überdies billig zu seiner Kleidung. Leider werden sie wenig mehr beachtet. Wie ein Postbote seine Briefe überallhin trägt, so wandert auch die städtische Mode von Ort zu Ort und verdrängt die Landestracht. Die Kleidung, welche einst so wenig kostete und doch durch ihre Beschaffenheit der Gesundheit zuträglich war, wird jetzt für vieles Geld gekauft und ist noch dazu nicht selten derart, daß sie die Gesundheit schädigt.
Aber was kann es helfen gegen die Mode aufzutreten? Man wird am Ende doch nur tauben Ohren predigen, obschon man mit Sicherheit nachweisen kann, daß Viele an Kopfweh oder an kalten Füßen oder an anderen Gebrechen gerade in Folge der Kleidung leiden. Ich will daher auch nicht weiter mehr hierüber reden; wem nicht zu rathen ist, dem ist auch nicht zu helfen. Wer es aber gut mit sich selber meint und sich manches Leid ersparen will, der möge meinen Worten folgen.
Sollen die Zöglinge in den Instituten das Hauswesen gründlich erlernen, so sollen sie gleichzeitig auch zur Einfachheit in demselben angehalten werden. Auch sollen sie so erzogen werden, daß sie mit dem Stande ihrer Eltern zufrieden sind, sich nicht desselben schämen und aus Hoffart sich über denselben erheben wollen.
Nicht weniger soll auch auf eine geeignete Kost Rücksicht genommen werden. Wer braucht eine einfachere, nahrhaftere und gesündere Kost als junge Leute? Nur wenn sie eine solche erhalten, können sie gut gedeihen, sich kräftig entwickeln und tüchtige, brauchbare Leute für die Zukunft werden. Was hilft eine feine Kost, wenn sie den Zögling armselig macht? Was nützt ein schönes, nobles Gewand, was Musik und Dichtkunst und die feinsten Manieren, wenn der ganze Körper voller Gebrechen und Elend ist? Mache man einmal den Versuch, den Zöglingen eine einfache Kost zu geben, wie sie im Kapitel über die Nahrungsmittel angegeben ist, unterrichte man sie fleißig in dem Nothwendigen und Nützlichen, und Geist und Körper werden sich wohl dabei fühlen und fähig werden zur Lösung der Lebensaufgabe.