Was den Mittagstisch betrifft, so ist darüber bei den Nährmitteln und Mahlzeiten recht viel gesagt worden und es soll besonders bei jungen Leuten darauf gesehen werden, daß von der Mehlkost ja nicht ganz abgelassen wird. Es sind wirklich viele Leute recht armselig daran, wenn sie nur an Fleischspeisen gewöhnt sind und später keine andere Kost mehr ertragen können, da doch die Mehlkost für ein gutes Blut so nothwendig ist. Es ist wirklich zu bedauern, daß die einfachen Mehlspeisen von reinem Naturmehl so wenig in den Seminarien eingeführt sind, und sicher ist hierfür wieder ein Hauptgrund der, daß das Kochen etwas mühsamer ist und mehr Zeit und Fleiß beansprucht. Die Gemüse, weil sie wenig Nährstoffe enthalten und mehr wässerige, krankhafte Säfte bilden, sollen nicht häufig genossen werden; doch darf nicht vergessen werden, daß sie der Fleischkost beigegeben werden sollen, wie bereits oben erwähnt wurde.

Zur Abendmahlzeit sollen wiederum nur recht nahrhafte Substanzen gewählt werden, aber vor Allem keine schwer verdauliche Kost. Wer solche am Abend genießt, der wird über schlechten Schlaf sich oft zu beklagen haben.

Es ist auch nothwendig, daß die jungen Leute sowohl betreffs der Kost als auch ihrer übrigen Bedürfnisse an Genügsamkeit und Sparsamkeit gewöhnt werden. Ferner sollen sie angehalten werden, in manchen Stücken sich selbst zu bedienen. Wer das Arbeiten nie gelernt hat, wird auch über die Arbeit schwerlich richtig urtheilen. Wer in seiner Jugendzeit stets bedient worden ist, dem wird es zur Gewohnheit, sich bedienen zu lassen. Er versteht nur zu befehlen, welche Dienste ihm geleistet werden sollen. Abgesehen davon, daß derartige Leute höchst einseitig werden und viele Ansprüche an Andere machen, können sie auch leicht herzlos werden gegen die, welche ihre Befehle zu vollziehen haben.

Ich kenne ein Seminar, in welchem der jüngste wie der älteste Zögling sein Bett selbst machen, sein Zimmer selbst fegen, selbst seine Schuhe wichsen und seine Kleider reinigen muß. Sollten solche Zöglinge nicht viel gewandter in den häuslichen Arbeiten werden als andere, denen alles Dieß durch Dienstboten besorgt wird? Dazu kommt, daß diese Nebenarbeiten von außerordentlicher Wichtigkeit für die Gesundheit sind. Oder ist es nicht zuträglich für dieselbe, wenn Jemand in der Frühe sein Bett macht, seine Kleider ausstaubt und bürstet, seine Schuhe wichst, das Wasser sich selbst holt &c.? Eine solche Beschäftigung würde ich einem Spaziergang bei weitem vorziehen. Zugleich gewöhnt man sich an die Besorgung seines eigenen kleinen Hauswesens und erwirbt sich die Fähigkeit, später ein größeres leiten zu können. Wenn aber der kleine Schulknabe – am Ende ist er nur ein Bauernbüblein – schon als ein kleines Herrlein bedient wird, wie groß wird er sich dann bald dünken! Er wird leicht hohe Anforderungen an Andere stellen und für diese eine rechte Last werden. Kommen dann einmal widrige Schicksale, so wird er sich nicht zu helfen wissen und nur schwer in seine Lage fügen können. Bei dem aber, der gelernt hat, für sich zu sorgen, wird das ganz anders sein.


[Mädchen-Institute.]

Die Mädchen-Institute möchte ich eintheilen in solche, welche sich nur mit der Erziehung für das bürgerliche Leben abgeben, und in solche, in denen die weibliche Jugend für den höheren Stand herangebildet wird. Es gibt viele Väter und Mütter auf dem Lande, die ihre Töchter in Institute schicken in der Absicht, daß sie lernen und einüben, was sie für ihr künftiges Berufsleben nothwendig haben. Ganz sicher ist diesen Eltern der erste und höchste Wunsch, daß die Kinder recht religiös werden, also nicht nur Kenntnisse in der Religion sich verschaffen, sondern auch lernen darnach zu leben. Dann aber wollen sie auch, daß sie in dem unterwiesen werden, was sie für einen Haushalt gewandt und tüchtig macht. Der Unterricht, den sie im Institut erhalten, soll ein Fortbau dessen sein, was sie von den Eltern zu Hause erlernt haben, damit sie auf diese Weise durch größere Gewandtheit und Kenntnisse späterhin das besser leisten können, was der Beruf von ihnen verlangt.

Ist für die Mädchen die Erlernung der gesammten Hauswirthschaft das Allerwichtigste, weil zu deren Besorgung das Weib vorzugsweise bestimmt ist, so wäre es gewiß grundverkehrt, wenn sie gerade hierin nicht sorgfältig unterwiesen würden. Oder wäre das nicht thöricht, wenn ein Mädchen sticken, malen und ähnliche nicht unumgänglich nöthige Fertigkeiten erlernen würde, nicht aber flicken, stricken und stopfen oder ein einfaches Kleidungsstück anfertigen? Das wäre in der That ein arger Fehler. Ich kannte eine junge Person, die zwei Kurse in der Industrie durchgemacht hatte. Diese sollte auf meinem eigenen Tische ein einfaches Hemd schneiden, wie es die Landleute tragen. Sie konnte es aber nicht und gab nur in ihrer Verlegenheit zur Antwort: Ich bin für feinere und höhere Sachen ausgebildet worden. Sie war also nicht im Stande, den einfachsten Haushalt für sich oder Andere zu besorgen.

Ist ferner eine Erziehung in einem Institut wohl viel werth, wenn die Zöglinge nicht einmal ihr eigenes Bett in der Frühe zurecht machen, auch ihr Waschwasser nicht selbst ins Schlafzimmer bringen und ihr Zimmer nicht selbst ausfegen und putzen müssen? Werden solche praktisch unterrichtet? Gewiß nicht. Solche werden weder selbst glücklich werden noch Andere glücklich machen.

Ich kannte zwei Bauerntöchter, die in der besten Absicht in ein Institut geschickt wurden. Bevor sie hineinkamen, hatten sie ihre Mutter in den häuslichen Arbeiten unterstützt, in denen diese sie unterrichtet hatte, soweit es ihre Zeit erlaubte. Im Institut mußten sie andere Kleider tragen, aber nicht so einfache, wie zu Hause, sondern noble. Dort wurden sie auch bedient, im Zeichnen sowie im Sticken unterrichtet und lernten einige französische Phrasen. Als sie dann nach einem Jahre nach Hause kamen, schämten sie sich, die Arbeiten fortzusetzen, die sie verlassen hatten, und beide Töchter hatten Hoffart und Eitelkeit recht gut gelernt. Für das Hauswesen aber waren sie unbrauchbar. So klagte mir ihr eigener Vater.