Wenn man nur oberflächlich eine solche Klosterfamilie betrachtet, so könnte man leicht meinen: „Diese Leute haben es recht gut; sie haben Wohnung, Kost und Kleidung, es wird gesorgt für alle ihre leiblichen Bedürfnisse; es gibt dort auch nicht allzuviel Arbeit – kurz: ein solche Leben läßt sich führen, ohne daß man große Opfer zu bringen hat.“ Doch schaut man die Sache genauer an, ist man Augenzeuge davon, welche Anforderungen an Geist und Körper der Insassen der Klöster beiderlei Geschlechtes gestellt werden, so wird man ein ganz anderes Urtheil fällen müssen. Die meisten Klöster gleichen großen Werkstätten, in denen Jeder an dem ihm zugewiesenen Posten Jahr aus – Jahr ein schwere Arbeit verrichten muß, wobei obendrein noch die Zeit für die Mahlzeit und für Erholung des Geistes und Körpers sehr knapp bemessen ist. Bei der strengen Regel mancher Orden ist die Gefahr einer vorzeitigen Aufreibung der Geistes- und Körperkräfte stets vorhanden. Hier ist es vor Allem Sache des Vorstehers, dem wohlgemeinten, aber oft zu großen Eifer seiner Ordensmitglieder Zügel anzulegen und strenge darauf zu halten, daß die richtige Abwechslung zwischen Arbeit und Anstrengung einerseits und Ruhe und Erholung andrerseits stattfinde, daß bei großer Anstrengung der Geisteskräfte auch dem Körper sein Recht werde, daß die Pflege desselben und damit die Erhaltung der Gesundheit nicht vernachläßigt werde.
Eine große Anzahl von Ordensleuten ist schon zu mir gekommen; sie hatten durch übermäßige geistige Thätigkeit ihre Gesundheit ruiniert und sich schwere Körpergebrechen zugezogen, welche sie zur Erfüllung der Obliegenheiten ihres Berufes theilweise oder ganz unbrauchbar machten. Fast Alle hatten die Pflege des Körpers mehr oder weniger vernachläßigt, und das rächt sich immer. Soll der Geist auf die Dauer kräftig und thätig bleiben können, so muß vor Allem seine Wohnung und sein Werkzeug, der Körper, gesund und kräftig erhalten werden. Darum sollten jene Ordensleute, welche vermöge ihrer Regel sich vorwiegend oder ausschließlich geistig zu beschäftigen haben, in ihren freien Stunden, soviel sie können, körperliche Arbeit verrichten; denn nur so kann die Kraft und Gesundheit des Leibes auf die Dauer erhalten bleiben.
Vielen Orden ist zwar schon durch ihre Regel eine solche Abwechslung zwischen geistiger und körperlicher Arbeit vorgeschrieben; wo Dieses aber nicht der Fall ist, da ist es Sache des Vorstehers der einzelnen Genossenschaft, für eine solche Abwechslung, sowie für die Pflege des Körpers, soweit dieß nur geschehen kann, zu sorgen. In dieser Beziehung möchte ich mir hier erlauben, den Vorstehern der Orden beiderlei Geschlechtes folgende sehr beherzigenswerthe Rathschläge an's Herz zu legen:
Die Kost sei recht nahrhaft; man vermeide aber vor Allem die scharfen Gewürze und alle Reizmittel, weil sonst bei geringerer körperlicher Thätigkeit leicht Krankheiten entstehen. Die Einsiedler haben ein sehr hohes Alter erreicht, und was war ihre Nahrung? Die einfachste Naturkost, Gemüse ohne alle Würze und Früchte. – Auch soll die Kost nicht eine schwer zu verdauende sein; hier beugt allerdings die Fastenordnung vieler Klöster dem Übel vor.
Nicht vorsichtig genug kann man ferner sein bei der Auswahl oder dem Neubau einer Wohnung für Klosterleute, da viele derselben sie während ihres Lebens nie wieder verlassen dürfen, andre nur selten aus derselben herauskommen. Das Haus muß vor Allem sonnig und trocken sein; wie Viele werden in der Blüthe ihres Lebens dahingerafft, wo dem nicht Rechnung getragen ist! Wenn ferner schon in einem gewöhnlichen Hause für tägliche und genügende Durchlüftung aller Wohn- und Schlafzimmer gesorgt werden muß, um wie viel mehr ist Dieses in einem Kloster geboten! Die Schlafzimmer insbesondere sollen zu jeder Jahreszeit den ganzen Tag offen gehalten werden, und die übrigen Räume müssen sofort ausgelüftet werden, wenn sie nicht von den Insassen des Klosters benützt werden.
Was die Kleidung anlangt, so soll man sich nicht zu warm kleiden, weil sonst der Körper nicht genug abgehärtet wird. Manchen Ordensleuten ist die Wollkleidung durch die Regel vorgeschrieben. Soweit diese unmittelbar auf der Haut getragen wird, soll man dafür sorgen, daß die Kleider nicht zu enge an den Körper sich anschließen, vielmehr die Luft überall Zugang habe, damit auf diese Weise sich nicht zu viel Wärme entwickle und die Haut abgehärtet bleibe.
Für die Ordensleute beiderlei Geschlechtes wäre es auch von großer Bedeutung, eine vernünftige Wasseranwendung zu betreiben, sowohl um die Natur widerstandsfähiger und kräftiger zu machen, als auch um durch das Belebende und Erfrischende einer solchen Anwendung den Geist in seiner Thätigkeit zu unterstützen. Deßhalb soll, wie für das Waschwasser gesorgt wird, so auch eine Gelegenheit geboten sein, das Wohlbefinden des ganzen Körpers in dieser Weise zu befördern. Die Gesunden, d. h. Diejenigen, deren ganzer Körper stets die gehörige Naturwärme hat, die ordentlich schlafen können und einen frischen Geist haben, sollen in der Woche zwei- bis dreimal ein Halbbad eine halbe bis eine Minute lang nehmen und sich darauf eine halbe Stunde Bewegung machen, damit sie wieder die volle Wärme erhalten. Dieß sollen sie zu jeder Jahreszeit thun, wie im Hochsommer, so auch zur Winterszeit; dann werden sie die Hitze und Kälte gleich gut ertragen können. Ihre Berufspflichten werden ihnen nicht zur Last werden, sondern, da sie gesund an Geist und Körper bleiben, wird die Erfüllung derselben sie zufrieden, froh und glücklich machen. Wird aber das Genannte nicht beobachtet, sorgt man weder für ein trockenes Gebäude, noch für gesunde Luft, noch für zweckentsprechende Kleidung und Nahrung, dann kann freilich in einem solchen Hause leicht eine Schaar von Krankheiten die Leute peinigen, die Erfüllung der Berufspflichten ihnen verbittern oder diese gar vereiteln, und es rafft der Tod das eine Leben nach dem andern in den schönsten Jahren dahin.
Zum Belege des Gesagten sollen hier einige Beispiele angeführt werden, welche allerdings zum Theil nicht unmittelbar Klosterleute betreffen, aber mittelbar doch das Leben in manchen Klöstern berühren.
Es kam ein Fräulein zu mir und erzählte: Ich bin mit 14 Jahren in ein Institut gekommen, bin acht Jahre in demselben gewesen, habe mich ausgebildet für das Lehrfach, und ich wäre jetzt daran, das Berufsleben zu beginnen. Doch leider, während meine Eltern und Geschwister alle gesund sind, bekam ich vor zwei Jahren ein ganz unbedeutendes Hüsteln, das sich aber jetzt zu einem heftigen Husten ausgebildet hat, dazu habe ich Fieber und Nachtschweiße und kann kaum mehr eine längere Strecke gehen. Das Fräulein war gut gebaut und stammte von gesunden Eltern; aber es hatte Jahre lang in geschlossenem Gebäude gewohnt, und bei fortwährender geistiger Anstrengung war der ganze Körper vernachläßigt worden, so daß er schließlich dem Siechthum anheimfiel. Mich dauerte die jugendliche Person; Hülfe war aber keine mehr möglich, und acht Wochen nach ihrem Besuche bei mir endete sie ihr zeitliches Leben. Ich bin der vollsten Überzeugung: wäre dieses Fräulein in ihren ländlichen Verhältnissen geblieben, so wäre es von dieser Krankheit verschont geblieben und hätte ein hohes Alter erreichen können.