„Ich meine doch, ich hätte es wohl verdient, daß sie herkommen dürfte,“ sagte er.
Als aber unser Herr erfahren hatte, was es war, worüber der heilige Petrus trauerte, wurde er gleichfalls betrübt. Denn Sankt Petrus Mutter war nicht so gewesen, daß sie ins Himmelreich hätte kommen können. Sie hatte nie an etwas andres gedacht, als Geld zu sammeln; und armen Leuten, die vor ihre Türe gekommen waren, hatte sie niemals auch nur einen Groschen oder einen Bissen Brot gegeben. Aber unser Herr verstand es wohl: Sankt Petrus konnte es unmöglich wünschen, daß seine Mutter so geizig gewesen war, daß sie die Seligkeit nicht genießen konnte.
„Sankt Petrus,“ sagte er, „woher weißt du, daß deine Mutter sich bei uns glücklich fühlen würde?“
„Sieh, das sagst du nur, damit du mich nicht zu erhören brauchst,“ sagte Sankt Petrus. „Wer sollte sich im Paradiese nicht glücklich fühlen?“
„Wer nicht Freude über die Freude andrer fühlt, kann hier nicht glücklich sein,“ sagte unser Herr.
„Dann sind noch andre hier als meine Mutter, die nicht hereinpassen,“ sagte Sankt Petrus, und unser Herr merkte, daß er damit ihn im Sinne hatte.
Und er war tief betrübt, weil Sankt Petrus von einem so schweren Kummer getroffen war, daß er nicht mehr wußte, was er sagte. Er blieb eine Weile stehen und wartete, ob Sankt Petrus nicht bereute und einsähe, daß seine Mutter nicht ins Paradies gehörte, aber der wollte gar nicht zu Vernunft kommen.
Da rief unser Herr einen Engel zu sich und befahl ihm, zur Hölle hinunter zu fahren und die Mutter des heiligen Petrus ins Paradies heraufzuholen.