In demselben Augenblick gelangte Raniero zur Klarheit, worüber er nachgegrübelt hatte. Er dachte, daß für Francesca ihre Liebe sicherlich wie eine Lichtflamme gewesen war, die sie immer brennend hatte erhalten wollen, und von der sie stets gefürchtet hatte, daß Raniero sie verlöschen würde. Er wunderte sich über diesen Gedanken, aber immer mehr ward es ihm zur Gewißheit, daß es sich so verhielt. Zum ersten Male begann er zu verstehen, warum Francesca ihn verlassen hatte und daß er sie nicht durch Waffentaten wiedererobern konnte.
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Ranieros Reise wurde sehr langwierig. Und dies nicht zum wenigsten darum, weil er sie nicht fortsetzen konnte, wenn das Wetter ungünstig war. Dann saß er in der Karawanserei und bewachte die Lichtflamme. Das waren sehr harte Tage.
Eines Tages, als Raniero über den Berg Libanon ritt, sah er, daß sich die Wolken zu einem Unwetter zusammenzogen. Er war da hoch oben zwischen furchtbaren Klüften und Abstürzen, fern von allen menschlichen Behausungen. Endlich erblickte er auf einer Felsspitze ein sarazenisches Heiligengrab. Es war ein kleiner viereckiger Steinbau mit gewölbtem Dache. Es däuchte ihn am besten, seine Zuflucht dorthin zu nehmen.
Kaum war Raniero hineingekommen, als ein Schneesturm losbrach, der zwei Tage raste. Zugleich kam eine so furchtbare Kälte, daß er nahe daran war zu erfrieren.
Raniero wußte, daß es draußen auf dem Berge genug Zweige und Reisig gab, so daß es ein leichtes für ihn gewesen wäre, Brennstoff zu einem Feuer zu sammeln. Allein er hielt die Lichtflamme, die er trug, sehr heilig, und wollte mit ihr nichts andres entzünden als die Lichter vor dem Altar der heiligen Jungfrau.
Das Unwetter wurde immer ärger, und schließlich hörte er heftiges Donnern und sah Blitze.
Und ein Blitz schlug auf dem Berge dicht vor dem Grabe ein und entzündete einen Baum. Und so hatte Raniero eine Flamme, ohne daß er das heilige Feuer anzutasten brauchte.
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