Als Raniero durch einen öden Teil der Berggegend von Cilicien ritt, ging sein Licht zur Neige. Die Kerzenbündel, die er von Jerusalem mitgebracht hatte, waren längst aufgebraucht, aber er hatte sich doch weiterhelfen können, weil auf dem ganzen Wege christliche Gemeinden gewesen waren, wo er sich neue Lichter erbetteln konnte.
Aber nun war sein Vorrat zu Ende, und er glaubte, daß dies das Ende seiner Fahrt sein würde.
Als das Licht so tief herabgebrannt war, daß die Flamme seine Hand versengte, sprang er vom Pferde, sammelte Reisig und trockenes Gras und entzündete dies mit dem letzten Überbleibsel der Flamme. Aber auf dem Berge fand sich nicht viel, was brennen konnte, und das Feuer mußte bald verlöschen.
Wie Raniero so saß und sich darüber betrübte, daß die heilige Flamme sterben mußte, hörte er vom Wege her Gesang, und eine Prozession von Wallfahrern kam mit Kerzen in den Händen den Pfad herangezogen. Sie waren auf dem Wege zu einer Grotte, in der ein heiliger Mann gelebt hatte, und Raniero schloß sich ihnen an. Unter ihnen befand sich auch eine Frau, die alt war und nur schwer gehen konnte, und Raniero half ihr und schleppte sie den Berg hinauf.
Als sie ihm dann dankte, machte er ihr ein Zeichen, daß sie ihm ihre Kerze geben möge. Und sie tat es, und auch mehrere andre schenkten ihm die Kerzen, die sie trugen.
Er löschte die Lichter und eilte den Pfad hinunter und entzündete eines von ihnen an der letzten Glut des Feuers, das von der heiligen Flamme entzündet war.
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Einmal um die Mittagstunde war es sehr heiß, und Raniero hatte sich in ein Gebüsch schlafen gelegt. Er schlief tief, und das Licht stand zwischen ein paar Steinen neben ihm. Aber als Raniero ein Weilchen geschlafen hatte, begann es zu regnen, und dies dauerte ziemlich lange an, ohne daß er erwachte. Als er endlich aus dem Schlummer auffuhr, war der Boden ringsum ihn naß, und er wagte kaum zu dem Lichte hinzusehen, aus Furcht, daß es erloschen sein könnte.
Aber das Licht brannte still und ruhig mitten im Regen, und Raniero sah, daß dies daher kam, daß zwei kleine Vögelchen über der Flamme flogen und flatterten. Sie schnäbelten sich und hielten die Flügel ausgebreitet, und so hatten sie die Lichtflamme vor dem Regen geschützt.