Raniero nahm sogleich seine Kapuze ab und hing sie über das Licht. Dann streckte er die Hand nach den kleinen Vögeln aus, denn er hatte Lust, sie zu liebkosen. Und sieh da, keiner von ihnen flog von ihm fort, sondern er konnte sie einfangen.
Raniero staunte sehr, daß die Vögel keine Angst vor ihm hatten. Aber er dachte: das kommt daher, daß sie wissen, daß ich keinen andern Gedanken habe, als das zu schützen, was das schutzbedürftigste ist, darum fürchten sie mich nicht.
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Raniero ritt in der Nähe von Nicea. Da begegnete er ein paar abendländischen Rittern, die ein Entsatzheer ins heilige Land führten. In dieser Schar befand sich auch Robert Taillefer, der ein wandernder Ritter und Troubadour war.
Raniero kam in seinem fadenscheinigen Mantel mit dem Lichte in der Hand herangeritten, und die Krieger begannen wie gewöhnlich zu rufen: „Ein Toller, ein Toller!“ Aber Robert hieß sie schweigen und sprach den Reiter an:
„Bist du lange so gezogen?“ fragte er ihn.
„Ich bin so von Jerusalem hergeritten,“ antwortete Raniero.
„Ist dein Licht unterwegs nicht oftmals erloschen?“
„An meiner Kerze brennt noch dieselbe Flamme, wie da ich von Jerusalem auszog,“ sagte Raniero.
Da sprach Robert Taillefer zu ihm: „Ich bin auch einer von denen, die eine Flamme tragen, und ich wollte, daß sie ewig brennen könnte. Aber vielleicht kannst du, der du dein Licht brennend von Jerusalem hergebracht hast, mir sagen, was ich tun soll, auf daß sie nicht erlösche.“