Die Dürre hielt inne und nickte ihren Zuhörern bekräftigend zu. Hab ich nicht recht? schien sie sagen zu wollen. Es gibt mancherlei, was dürrer ist als der Wüstensand. Aber nichts ist unfruchtbarer als das Menschenherz.

„Die drei Weisen waren nicht lange gegangen, als es ihnen einfiel, daß sie sich wohl verirrt hätten, dem Sterne nicht richtig gefolgt wären,“ fuhr die Dürre fort, „und sie hoben ihre Augen empor, um den Stern und den rechten Weg wiederzufinden. Aber da war der Stern, dem sie vom Morgenland her gefolgt waren, vom Himmel verschwunden.“

Die drei Fremdlinge machten eine heftige Bewegung, ihre Gesichter drückten tiefes Leiden aus.

„Was sich nun begab,“ begann die Sprecherin von neuem, „ist, nach Menschenart, zu urteilen, vielleicht etwas Erfreuliches. Gewiß ist, daß die drei Männer, als sie den Stern nicht mehr sahen, sogleich begriffen, daß sie gegen Gott gesündigt hatten. Und es geschah mit ihnen,“ fuhr die Dürre schaudernd fort, „was mit dem Boden im Herbste geschieht, wenn die Regenzeit beginnt. Sie zitterten vor Schrecken wie die Erde vor Blitz und Donner, ihr Wesen erweichte sich, die Demut sproßte wie grünes Gras in ihren Sinnen empor.

„Drei Tage und drei Nächte wanderten sie im Lande umher, um das Kind zu finden, das sie anbeten sollten. Aber der Stern zeigte sich ihnen nicht, sie verirrten sich immer mehr und fühlten die größte Trauer und Betrübnis. In der dritten Nacht langten sie bei diesem Brunnen an, um zu trinken. Und da hatte Gott ihnen ihre Sünde verziehen, so daß sie, als sie sich über das Wasser beugten, dort tief unten das Spiegelbild des Sternes sahen, der sie aus Morgenland hergeführt hatte.

„Sogleich gewahrten sie ihn auch am Himmelszelt, und er führte sie aufs neue zur Grotte in Bethlehem, und sie fielen vor dem Kinde auf die Kniee und sagten: ‚Wir bringen dir Goldschalen voll Räucherwerk und köstlicher Gewürze. Du wirst der größte König werden, der auf Erden gelebt hat und leben wird von ihrer Erschaffung bis zu ihrem Untergange.‘ Da legte das Kind seine Hand auf ihre gesenkten Köpfe, und als sie sich erhoben — siehe, da hatte es ihnen Gaben gegeben, größer, als ein König sie hätte schenken können. Denn der alte Bettler war jung geworden, und der Aussätzige gesund, und der Schwarze war ein schöner, weißer Mann. Und man sagt, sie waren so herrlich, daß sie von dannen zogen und Könige wurden, jeder in seinem Reich.“

Die Dürre hielt in ihrer Erzählung inne, und die drei Fremdlinge priesen sie. „Du hast gut erzählt,“ sagten sie. „Aber es wundert mich, daß die drei Weisen nichts für den Brunnen tun, der ihnen den Stern zeigte. Sollten sie eine solche Wohltat ganz vergessen haben?“

„Muß nicht dieser Brunnen immer da sein,“ sagte der zweite Fremdling, „um die Menschen daran zu erinnern, daß sich das Glück, das auf den Höhen des Stolzes entschwindet, in den Tiefen der Demut wiederfinden läßt?“

„Sind die Dahingeschiedenen schlechter als die Lebenden?“ sagte der dritte. „Stirbt die Dankbarkeit bei denen, die im Paradiese leben?“

Aber als sie dieses sagten, fuhr die Dürre mit einem Schrei empor. Sie hatte die Fremdlinge erkannt, sie sah, wer die Wanderer waren. Und sie entfloh wie eine Rasende, um nicht sehen zu müssen, wie die drei weisen Männer ihre Diener riefen und ihre Kamele, die alle mit Wassersäcken beladen waren, herbeiführten und den armen sterbenden Brunnen mit Wasser füllten, das sie aus dem Paradiese gebracht hatten.