„Was ist dies? Warum liegt dieser Mann hier auf dem Wege?“ fragte Faustina.
In demselben Augenblicke begann der Liegende die Vorübergehenden anzurufen. „Bei eurer Barmherzigkeit, Brüder und Schwestern, führet eure Pferde und Lasttiere über mich hin! Weichet mir nicht aus! Zertretet mich zu Staub! Ich habe unschuldig Blut verraten. Zertretet mich zu Staub!“
Sulpicius faßte Faustinas Pferd am Zügel und führte es zur Seite. „Das ist ein Sünder, der Buße tun will,“ sagte er. „Lasse dich dadurch nicht aufhalten. Diese Leute sind wunderlich, und man muß sie ihre eignen Wege gehen lassen.“
Der Mann auf dem Wege fuhr fort zu rufen: „Setzet eure Fersen auf mein Herz! Lasset die Kamele meine Brust zertreten und den Esel seine Hufe in meine Augen versenken!“
Aber Faustina brachte es nicht über sich, an diesem Elenden vorbeizureiten, ohne zu versuchen, ob sie ihn nicht bewegen könnte, aufzustehen. Sie hielt noch immer neben ihm.
Die israelitische Frau, die ihr schon einmal hatte dienen wollen, drängte sich jetzt wieder an sie heran. „Dieser Mann hat auch zu den Jüngern des Propheten gehört,“ sagte sie. „Willst du, daß ich ihn nach seinem Meister frage?“
Faustina nickte, und die Frau beugte sich über den Liegenden.
„Was habt ihr Galiläer an diesem Tage mit euerm Meister gemacht?“ fragte sie. „Ich treffe euch zerstreut auf Wegen und Stegen, aber ihn sehe ich nirgends.“
Aber als sie so fragte, richtete sich der Mann, der im Straßenstaube lag, auf seine Kniee empor. „Was für ein böser Geist hat dir eingegeben, mich nach ihm zu fragen?“ sagte er mit einer Stimme, die voll Verzweiflung war. „Du siehst ja, daß ich mich in den Straßenstaub geworfen habe, um zertreten zu werden. Ist dir das nicht genug? Mußt du noch kommen und mich fragen, was ich mit ihm angefangen habe?“
„Ich verstehe nicht, was du mir vorwirfst,“ sagte die Frau. „Ich wollte ja nur wissen, wo dein Meister ist.“