Als die junge Frau erwachte, war es schon voller, klarer Tag, und ihre Sklavinnen standen da und warteten, um ihr beim Ankleiden behilflich zu sein.

Sie war sehr schweigsam, während sie sich anziehen ließ, aber endlich fragte sie die Sklavin, die ihr Haar strählte, ob ihr Mann schon aufgestanden sei. Da erfuhr sie, daß er gerufen worden war, um über einen Verbrecher zu Gericht zu sitzen.

„Ich würde gern mit ihm sprechen,“ sagte die junge Frau.

„Herrin,“ sagte die Sklavin, „dies wird sich mitten in der Untersuchung schwer bewerkstelligen lassen. Wir werden dir Nachricht geben, sowie sie beendigt ist.“

Sie saß nun schweigend, bis sie fertig angekleidet war. Dann fragte sie: „Hat jemand von Euch von dem Propheten aus Nazareth sprechen hören?“

„Der Prophet aus Nazareth, das ist ein jüdischer Wundertäter,“ antwortete eine der Sklavinnen sogleich.

„Es ist seltsam, Gebieterin, daß du gerade heute nach ihm fragst,“ sagte eine andere der Sklavinnen. „Er ist es eben, den die Juden hierher in den Palast geführt haben, damit der Landpfleger ihn verhöre.“

Sie bat sie, allsogleich zu gehen und sich zu erkundigen, wessen er angeklagt werde, und eine der Sklavinnen entfernte sich. Als sie zurückkehrte, sagte sie: „Sie beschuldigen ihn, daß er sich zum König über dieses Land machen wolle, und sie rufen den Landpfleger an, er möge ihn kreuzigen lassen.“

Aber als des Landpflegers Frau dies hörte, erschrak sie gar sehr und sagte: „Ich muß mit meinem Manne sprechen, sonst geschieht heute hier ein furchtbares Unglück.“