Kaum war die Trollin in den Wald verschwunden, als der Bauer und seine Frau zum Vorschein kamen.
Es waren prächtige Bauersleute, reich und geachtet und mit einem schönen Hof am Fuße des Waldhügels. Sie waren schon viele Jahre verheiratet, aber sie hatten nur dieses einzige Kindchen. Man kann sich also denken, wie sehr ihnen am Herzen lag, es wieder zu finden.
Die Frau war dem Manne um ein paar Pferdelängen voraus und erblickte zuerst das Kind, das am Wegesrand lag. Es schrie aus Leibeskräften, um die Trollin zurückzurufen, und die Bäuerin hätte schon an dem Geheul merken können, was für ein Kind das war. Aber sie hatte solche Angst ausgestanden, daß der Kleine sich im Fallen erschlagen haben könnte, daß sie bei dem Geschrei nur dachte: Gott sei Dank, daß er am Leben ist. »Da liegt das Kind,« rief sie dem Manne zu und glitt aus dem Sattel und lief auf das Trolljunge zu.
Als der Bauer zur Stelle kam, saß die Frau am Wegesrand und drehte das Kind hin und her und sah aus wie jemand, der seinen Sinnen nicht trauen kann. »Mein Kind hatte doch nicht Zähne wie die Stacheln,« sagte sie, und ihre Stimme drückte immer größeren und größeren Schrecken aus; »mein Kind hatte doch nicht Haare wie Schweinsborsten, mein Kind hatte doch keine Kralle am kleinen Finger.«
Der Bauer konnte nichts andres glauben, als daß sein Weib verrückt geworden sei, und sprang nun auch vom Pferde. »Sieh das Kind an und sag, ob du begreifen kannst, wie es sich so verändert hat,« sagte die Frau und reichte es ihm. Er nahm es aus ihren Händen, aber kaum hatte er einen Blick darauf geworfen, als er dreimal ausspuckte und es von sich schleuderte. »Das ist doch ein Trolljunges,« rief er. »Das ist nicht unser Kind.« Die Frau saß noch immer am Wegesrand. Sie war nicht rasch von Gedanken und konnte nicht erraten, was sich begeben hätte. »Aber was tust du denn mit dem Kinde?« fragte sie. »Ja, merkst du denn nicht, daß das ein Wechselbalg ist?« sagte der Mann. »Die Trolle haben die Gelegenheit benutzt, als unsere Pferde durchgingen. Sie haben unser Kind gestohlen und eines von ihren eignen dafür hingelegt.« — »Aber wo ist denn dann jetzt mein Kind?« fragte die Frau. — »Das ist eben bei den Trollen,« antwortete der Mann.
Nun begriff die Frau endlich das ganze Unglück. Sie erbleichte, und der Mann glaubte, daß sie auf der Stelle ihren Geist aufgeben würde.
»Unser Kind kann ja nicht weit fort sein,« sagte der Mann und versuchte sie zu beschwichtigen, obgleich er selbst nicht viel Hoffnung hatte. »Wir wollen in den Wald gehen und es suchen.« Damit band er die Pferde an einen Baum und begab sich in das Dickicht. Die Frau stand auch auf, um ihm zu folgen, als sie bemerkte, daß das Trolljunge auf dem Boden lag und jeden Augenblick von den Pferden totgetrampelt werden könnte, die über seine Gegenwart unruhig schienen und einmal ums andre wild nach hinten ausschlugen. Sie schauderte bei dem Gedanken, den Wechselbalg anrühren zu müssen, aber sie schob ihn doch so, daß die Pferde ihn nicht zertreten konnten.
»Hier liegt die Schelle, die unser Kind in der Hand hatte, als du es fallen ließest,« rief der Bauer aus dem Wald. »Jetzt weiß ich, daß ich auf der rechten Spur bin.« Die Frau eilte ihm nach, und sie gingen in den Wald und suchten lange und eifrig. Aber sie fanden weder Kind noch Troll; und als die Dämmrung einbrach, mußten sie zu ihren Pferden zurückkehren.
Die Frau weinte und rang die Hände. Der Mann ging mit aufeinandergepreßten Lippen und sagte nicht ein Wort, um sie zu trösten. Er war aus altem gutem Stamm, der erloschen wäre, wenn er nicht einen Sohn bekommen hätte. Er ging jetzt einher und zürnte der Frau, weil sie das Kind hatte zu Boden fallen lassen. Sie hätte es doch vor allem andern festhalten müssen. Aber als er sah, wie betrübt sie war, brachte er es nicht übers Herz, sie zu tadeln.
Der Bauer hatte der Frau in den Sattel geholfen, als ihr der Wechselbalg einfiel. »Was sollen wir aber mit dem Trolljungen anfangen?« rief sie. — »Ja, wo ist denn das hingekommen?« sagte der Mann. — »Es liegt dort unter dem Busch.« — »Da liegt es ja ganz gut,« sagte der Mann und lächelte bitter. — »Wir müssen es aber doch mitnehmen. Wir können es doch nicht hier in der Wildnis lassen.« — »Doch, das können wir sehr gut,« sagte der Bauer und setzte den Fuß in den Steigbügel.