Alles hat eine andre Farbe. Der Himmel ist ganz weiß, die Bäume und die hohen Kräuter im Grase sind glänzend grau. Aber alles ist ebenso deutlich erkennbar wie am Tage, und als der Spielmann auf einer der vielen Brücken stehen bleibt und in den Strom hinabblickt, kann er jedes Bläschen unterscheiden, das durch das Wasser perlt.

»Wenn ich solch einen Strom in der Wildnis sehe, muß ich mich an mein eignes Leben erinnern,« denkt der Spielmann. »Ebenso halsstarrig wie er habe ich mir meine Straße gebahnt, vorbei an allem, was sich mir in den Weg stellte. Da war Vater: er stellte sich mir entgegen wie ein harter Fels. Und da war Mutter: sie suchte mich still zu halten und mich gleichsam zwischen Mooshügelchen einzubetten. Aber ich schlich mich an Vater und Mutter vorbei, und hinaus in die Welt ging es.«

»Haha, jaja, ich denke, Mutter sitzt daheim und weint noch um mich; aber was kümmert das mich! Sie hätte doch verstehen können, daß aus mir etwas werden mußte, und hätte nicht versuchen sollen, mir entgegen zu sein.«

Ungeduldig reißt er ein paar Blätter von einem Busch ab und wirft sie in den Strom.

— »So habe ich mich von allem daheim losgerissen,« sagt er, als er sieht, wie das Wasser die Blätter forttreibt.

— »Möchte doch gerne wissen, ob Mutter erfahren hat, daß ich nun der beste Spielmann in ganz Värmland bin?« sagt er, während er weiter wandert.

Er geht mit rüstigen Schritten vorwärts, bis er wieder zu einem Steg kommt. Da bleibt er abermals stehen und sieht in den Strom hinab. Unter der Brücke schäumt der Strom in reißendem Fall und macht ein erschreckliches Getöse. Da es Nacht ist, hört man ganz andre Laute als am Tage, und der Spielmann wundert sich gar sehr, wie er stehen bleibt und lauscht. Da ist kein Vogelgesang im Walde und kein Spiel in den Nadeln und kein Rascheln im Laube. Keine Wagenräder knarren auf dem Wege, und keine Kuhschellen klingeln. Man hört nur den Bergstrom, aber gerade darum hört man ihn wohl umsoviel besser und anders als am Tage. Es klingt, als wenn alles Denkbare und Undenkbare in der Tiefe des Stromes wäre. Vor allem klingt es, als wenn jemand dort unten säße und zwischen großen Steinen Korn mahlte, aber zuweilen klingt es so, wie wenn Becher bei einem Trinkgelage aneinander stoßen, und manchmal hört man ein Murmeln, wie wenn die Gemeinde aus der Kirche kommt und nach dem Gottesdienst in eifrigem Gespräch auf dem Kirchenhügel steht.

— »Das hier ist wohl auch eine Art Musik,« denkt der Spielmann, »obschon ich nicht finden kann, daß es besonders weit damit her ist. Ich sollte doch meinen, daß die Weise, die ich jüngst gesetzt habe, mehr wert ist, daß man auf sie horche.«

Aber je länger der Spielmann steht und dem Wasserfall lauscht, desto besser und besser gefällt ihm dessen Lied.

— »Ich glaube wirklich, du nimmst dich zusammen,« sagt er zum Wasserfall. »Du mußt wohl merken, daß der beste Spielmann von ganz Värmland da steht und dir zuhört.«