In demselben Augenblick, wo er dies sagt, vermeint er, aus der Tiefe ein paar metallklare Laute zu vernehmen, wie wenn jemand an einer Saite zupft, um zu prüfen, ob sie stimme.

»Sieh da, nun ist der Wassermann selbst zur Stelle gekommen; ich höre, wie er an seiner Fiedel zupft,« sagt der Spielmann und lacht. »Aber ich kann doch nicht die ganze Nacht hier stehen bleiben und darauf warten, daß du anfängst,« ruft er gleich darauf ins Wasser hinab. »Nun muß ich weiter gehen, aber ich verspreche dir, daß ich auch auf der nächsten Brücke stehen bleiben und horchen will, ob du zu spielen begonnen hast.«

Er wandert weiter, und während der Strom auf seinem geschlängelten Wege in den Wald hineinläuft, fängt er wieder an, an seine Heimat zu denken.

— »Ich möchte wohl wissen, wie es mit dem kleinen Bächlein steht, das an unserm Gehöft vorbeifließt; das wollte ich gerne wieder einmal sehen. Ich sollte doch einmal heimgehen, um zu sehen, ob die Mutter dürftige und schwere Zeit hat, seit Vater tot ist, — wenn ich nur die Zeit finden könnte. Aber ich bin so beschäftigt; da ist es fast unmöglich. Ich kann zu nichts anderm Zeit finden als für meine Fiedel; es gibt ja kaum einen Abend in der Woche, an dem ich frei wäre.«

Nach einem kleinen Weilchen trifft er den Strom wieder, und damit kommt er allsogleich auf andre Gedanken. Bei diesem Übergang kommt der Bergstrom nicht in einem donnernden Wasserfall herangestürzt, sondern er fließt ganz sacht vorbei. Tiefschwarz und blank liegt er unter den nächtig grauen Bäumen des Waldes und trägt noch hier und dort einen schneeweißen Schaumkamm von den obern Fällen.

Als der Spielmann auf das Brücklein kommt und keinen andern Laut vom Strome hört als hie und da ein leises Plätschern, fängt er abermals zu lachen an.

— »Ich konnte es mir ja denken, daß der Neck sich nicht bequemen würde, zum Stelldichein zu kommen,« rief er. »Freilich habe ich immer gehört, daß er ein tüchtiger Spielmann sein soll, aber gar so weit her kann es doch nicht mit ihm sein, wenn er immer ganz still im Bach liegt und nie etwas Neues zu hören bekommt. Er weiß schon, daß hier einer steht, der die Sache besser versteht als er, und darum will er sich nicht hören lassen.«

Damit geht er weiter und verliert den Strom wieder aus den Augen.

Er kommt in eine Gegend des Waldes, die ihn immer unheimlich und gruselig zu durchwandern däuchte. Da ist der Boden von Steinen und Geröll bedeckt, und verkrümmte Tannenwurzeln schlängeln sich dazwischen durch. Wenn es etwas Verhextes oder Gefährliches im Walde gäbe, sollte man wohl meinen, daß es sich gerade hier verborgen halten müßte.

Als der Spielmann zwischen die wilden Steinblöcke kommt, überläuft ihn ein Schauder, und er fängt an zu bedenken, ob es nicht unklug von ihm gewesen sei, sich vor dem Neck zu rühmen.