Es dünkt ihn, daß die großen Tannenwurzeln Gebärden gegen ihn machten, als wollten sie ihm drohen.
— »Hüte dich, du, der du mehr sein willst als der Wassermann!« scheinen sie zu sagen.
Der Spielmann fühlt, wie das Herz sich ihm vor Angst zusammenschnürt. Eine solche Last legt sich ihm auf die Brust, daß er kaum atmen kann, und seine Hände werden eiskalt. Er bleibt mitten auf dem Wege stehen und sucht sich selbst Vernunft zuzusprechen.
— »Es gibt doch keinen Spielmann im Wasserfall!« sagt er. »Das ist nur Aberglaube und Ammenmärchen. Darum ist es ganz gleichgültig, was ich von ihm gesagt habe oder nicht gesagt habe.«
Wie er so spricht, sieht er sich im Walde um, als wollte er bekräftigt finden, daß es sich so verhalte, wie er gesagt. Wenn es Tag gewesen wäre, so hätte wohl jedes Blättchen ihm zugeblinkt, daß es im Walde nichts Gefährliches gäbe; aber jetzt bei Nacht stehen alle Bäume verschlossen und stumm da und sehen aus, als bärgen sie gefährliche Heimlichkeiten.
Der Spielmann wird auch immer ängstlicher. Was ihm am meisten Schrecken einflößt, ist, daß er noch einmal über den Strom gehen muß, bevor der und der Weg sich trennen und nach verschiednen Seiten ziehen. Er weiß nicht, was der Wassermann ihm tun wird, wenn er über die letzte Brücke geht. Vielleicht wird er eine große schwarze Hand aus den Fluten emporrecken und ihn in die Tiefe ziehen.
Er hat sich solche Angst eingejagt, daß er ernstlich daran denkt, umzukehren. Aber dann würde er ja wieder den Strom treffen. Und wenn er vom Wege abwiche und tiefer in den Wald hineinginge, dann müßte er ihm wohl auch begegnen, wie der sich krümmte und schlängelte.
Er fühlt solche Angst, daß er nicht weiß, was er anfangen soll. Er ist von dem Strome verstrickt, gebunden und gefangen und sieht keine Möglichkeit des Entrinnens.
Aber nun fängt er zu laufen an, so rasch ihn die Beine tragen wollen, denn es ist ihm etwas eingefallen:
»Gerade hier macht der Strom eine weite Biegung in den Wald hinaus. Der Wassermann hat bis zur nächsten Brücke einen viel weitern Weg als ich. Vielleicht kann ich ihn überholen, ehe er noch ans Ziel gekommen ist.«