Er geht nach dem Küsterhaus, weckt den Küster, zieht ihn halb angekleidet und halb nackend heraus und sagt, er solle auf den Bären schießen, der Fabers Bretterschuppen umschleicht.

»Wenn du den Bären erschießest, so gibt er dir sicher seine Schwester,« sagt er, »denn dann wirst du auf einmal ein geachteter Mann. Es ist kein gewöhnlicher Bär, und die besten Männer des Landes würden sich eine Ehre daraus machen, ihn erlegt zu haben.«

Und er drückt ihm seine eigene Büchse in die Hand, mit der Kugel aus Silber und Glockenerz geladen und in einem Kirchturm an einem Donnerstagabend bei Neumond gegossen; aber er zittert vor Neid bei dem Gedanken, daß ein anderer als er selbst den König des Waldes, den alten Bären vom Gurlita-Berge, erlegen soll.

Der Küster zielt – ja, Gott steh uns bei, er zielt, als wolle er den Großen Bären erschießen, der hoch oben am Himmel sitzt und sich im Kreis um den Polarstern dreht, nicht aber einen Bären, der auf den Brobyer Feldern umherspaziert; und der Schuß geht mit einem Knall los, den man bis oben hinauf auf dem Gurlita-Felsen hören kann.

Aber wie er nun auch gezielt haben mag, der Bär fällt. So ist es, wenn man mit silbernen Kugeln schießt. Man trifft den Bären ins Herz, selbst wenn man auf das Himmelsgestirn gezielt hat.

Aus allen Gehöften und Häusern kommen sogleich die Leute herbeigestürzt und fragen, was da los ist, denn nie hat ein Schuß ärger geknallt und mehr schlafende Eichhörnchen

geweckt als dieser; und der Küster wird höchlich belobt, denn der Bär ist eine wahre Landplage gewesen.

Auch der kleine Faber kommt heraus, aber nun wird Major Fuchs arg genarrt. Da steht der Küster, gerühmt und geehrt, und obendrein hat er Fabers Kühe gerettet, aber der kleine Organist ist weder gerührt noch dankbar. Er öffnet ihm nicht seine Arme und begrüßt ihn nicht als Held und Schwager.

Der Major runzelt die Stirn und stampft mit den Füßen vor Zorn über eine solche Schändlichkeit. Er will reden und dem kleinen geizigen, engherzigen Kerl erklären, welch eine Heldentat dies ist, aber da fängt er an zu stottern, so daß er kein Wort herausbringen kann. Und er wird immer ergrimmter bei dem Gedanken, daß er ohne allen Zweck auf die Ehre verzichtet hat, den großen Bären zu fällen. Es ist ihm unmöglich, zu begreifen, daß derjenige, der eine solche Tat vollführt hat, nicht würdig sein sollte, die stolzeste Braut zu gewinnen.

Der Küster und einige junge Burschen wollen sich daran machen, dem Bären das Fell abzuziehen; sie gehen an den Schleifstein, um ihre Messer zu wetzen, die andern gehen nach Hause zu Bett, und der Major bleibt allein bei dem toten Bären zurück.