»Wenn er sie aber wirklich liebte, weshalb dachte er dann nicht daran, daß er ihr keine geringere Gabe geben konnte als seine Liebe? Er, einer der Verworfenen dieser Erde, was wollte er, woran dachte er, während er an der Seite des Grafenkindes einherschritt? Woran dachte der abgesetzte Pfarrer, während sie ihm ihre frommen Träume anvertraute? Er, der ein Trunkenbold, ein Raufbold gewesen war, und der es wieder werden würde,

sobald sich ihm die Gelegenheit dazu bot, was wollte er an der Seite des jungen Kindes, das von einem Bräutigam im Himmel träumte? Weshalb floh er nicht weit fort von ihr? Wäre es nicht besser für ihn gewesen, als Bettler oder Dieb im Lande umherzuirren, als dort in den schweigsamen Alleen zu lustwandeln und wieder fromm und gut zu werden, wenn das Leben, das er geführt hatte, doch nicht wieder rückgängig gemacht werden konnte und es sich nicht vermeiden ließ, daß Ebba Dohna ihn liebte?

»Glaube nicht, daß er wie ein armer Betrunkener aussah, mit bleichen Wangen und roten Augen. Er war noch immer ein stattlicher Mann, schön und kräftig, mit einer Haltung wie ein König und mit einem eisernen Körper, der dem wildesten Leben Widerstand zu leisten vermochte.«

»Lebt er noch?« fragte die Gräfin.

»Ach nein, jetzt ist er wohl tot – es ist so lange her, seit dies alles geschah!«

In Anna Stjärnhöks Innerem erwacht eine Angst vor dem, was sie tut. Sie beschließt, der Gräfin niemals zu sagen, wer der Mann ist, von dem sie spricht, sondern sie in dem Glauben zu lassen, daß er längst gestorben ist.

»Damals war er noch jung,« fährt sie fort, »die Freude am Leben ward wieder in seiner Seele entzündet, er besaß die Gabe des Wortes und ein feuriges, leicht begeistertes Herz.

»Es kam eine Abendstunde, in der er Ebba Dohna von Liebe sprach. Sie antwortete ihm nicht, sie sagte ihm nur, was ihre Großmutter ihr an den Winterabenden

erzählt hatte, und beschrieb ihm das Land ihrer Träume. Und dann nahm sie ihm ein Gelübde ab. Sie ließ ihn schwören, daß er ein Verkünder des Wortes werden wolle, einer von denen, die dem Herrn den Weg bereiten, damit seine Wiederkehr beschleunigt werde.

»Was sollte er tun? Er war ein abgesetzter Pfarrer, und kein Weg war ihm so verschlossen wie der, den zu betreten sie von ihm forderte. Aber er wagte nicht, ihr die Wahrheit zu sagen. Er wagte es nicht, dies liebliche Kind zu betrüben, das er liebte. Er versprach alles, was sie verlangte.