»Einer weiteren Aussprache bedurfte es nicht zwischen ihnen. Er war sicher, daß sie einst seine Gattin werden würde. Es war keine Liebe mit Küssen und Liebkosungen. Er wagte kaum, sich ihr zu nähern; sie war empfindlich wie eine feine Blume. Zuweilen aber erhob sie ihre braunen Augen, um die seinen zu suchen. Wenn sie an mondhellen Abenden auf der Veranda saßen, lehnte sie sich an ihn, und dann küßte er ihr Haar, ohne daß sie es merkte.
»Du siehst, seine Sünde bestand darin, daß er Vergangenheit und Zukunft vergaß. Daß er arm und gering war, mochte er gern vergessen, er hätte aber bedenken müssen, daß der Tag nicht ausbleiben konnte, wo sich in ihrem Herzen Liebe gegen Liebe erhob, wo Erde und Himmel miteinander kämpften, wo sie sich gezwungen sah, zwischen ihm und dem strahlenden Herrscher des tausendjährigen Reichs zu wählen. Aber sie war nicht danach angetan, einen solchen Kampf auszuhalten.
»Ein Sommer, ein Herbst und ein Winter vergingen.
Als der Frühling kam und das Eis schmolz, erkrankte Ebba Dohna. In den Tälern brausten die zu Flüssen angeschwollenen Bäche, die Hügel waren mit Eis und Schneeschlamm bedeckt, die Wege waren unfahrbar für Wagen wie für Schlitten.
»Da wollte die Gräfin Dohna nach Karlstad zum Arzt schicken. Es war kein anderer in der Nähe. Aber ihre Befehle waren vergeblich. Weder durch Bitten noch durch Drohungen vermochte sie ihre Diener zu bewegen, sich auf den Weg zu machen. Sie warf sich vor dem Kutscher auf die Knie, der aber sagte nein. Sie bekam Krämpfe und hysterische Anfälle vor Kummer um ihre Tochter – Gräfin Märta ist wild in Schmerz wie in Freude.
»Ebba Dohna hatte Lungenentzündung, und ihr Leben schwebte in Gefahr, ein Arzt konnte aber nicht geholt werden.
»Da fuhr der Hauslehrer nach Karlstad. Die Fahrt in einem solchen Wetter zu machen, hieß das Leben aufs Spiel setzen – aber er tat es. Es ging über wogendes Eis und halsbrecherisch glatte Hügel, zuweilen mußte er Stufen für das Pferd in das Eis hauen, zuweilen mußte er es aus dem tiefen Schlamm des lehmigen Weges herausziehen. Man erzählte, der Doktor habe sich geweigert, mit ihm zu kommen, er aber habe ihn, die Pistole in der Hand, dazu gezwungen.
»Als er zurückkam, war die Gräfin nahe daran, sich ihm vor die Füße zu werfen. Nehmen Sie alles, was ich habe, sagte sie, meine Tochter, mein Gut, mein Geld – sagen Sie nur, was Sie wünschen!
»Ihre Tochter, Frau Gräfin, antwortete der Hauslehrer.« –
Da schweigt Anna Stjärnhök plötzlich.