»Nun, und dann, und dann?« fragt die junge Gräfin Elisabeth.
»Jetzt mag es genug sein«, erwidert Anna; denn sie ist eines jener unglücklichen Menschenkinder, die in der Angst und dem Zagen des Zweifelns leben. Das hat sie nun eine ganze Woche lang getan. Sie weiß nicht, was sie will. Was ihr die eine Stunde recht erscheint, wird schon in der nächsten zum Unrecht. Jetzt wünscht sie, niemals die Geschichte begonnen zu haben.
»Ich glaube gar, du willst mich zum Narren haben, Anna. Begreifst du denn nicht, daß ich den Schluß dieser Geschichte hören muß?«
»Es ist nicht mehr viel zu erzählen. – Die Stunde des Kampfes war für die junge Ebba Dohna gekommen, Liebe erhob sich gegen Liebe, Himmel und Erde rangen miteinander.
»Gräfin Märta erzählte ihr von der lebensgefährlichen Reise, die der junge Mann um ihretwillen gemacht hatte, und sie sagte ihr, daß sie ihm zum Lohn dafür die Hand ihrer Tochter versprochen habe.
»Das junge Fräulein Ebba war zu dieser Zeit so weit in Besserung, daß sie angekleidet auf einem Sofa lag. Sie war matt und bleich und noch stiller als sonst.
»Als sie diese Worte vernahm, erhob sie ihre braunen Augen klagend und vorwurfsvoll zu der Mutter und sagte: Mutter, du hast mich einem abgesetzten Pfarrer gegeben, einem, der sein Recht verscherzt hat, Gottes Diener zu sein, einem Manne, der ein Dieb und ein Bettler gewesen ist!
»Aber Kind, wer hat dir denn das alles erzählt? Ich glaubte, du ahntest nichts davon.
»Ich erfuhr es zufällig. Ich hörte deine Gäste über ihn reden – es war an demselben Tage, an dem ich erkrankte.
»Aber Kind, so bedenke doch, daß er dir das Leben gerettet hat!