Liebe Freunde! Von allem Guten, was ich euch wünsche, möchte ich in erster Linie einen Stickrahmen und einen Rosengarten nennen. Einen großen, altmodischen Stickrahmen von der Art, an denen fünf, sechs Personen auf einmal arbeiten können, wo man wetteifert, wer am geschwindesten ist und wessen Kehrseite die hübschesten Stiche aufzuweisen hat, wo man Bratäpfel ißt und gesellige Spiele spielt und so dabei lacht, daß die Eichhörnchen vor Schrecken aus den Bäumen herabfallen. Einen Stickrahmen für den Winter und einen Rosengarten für den Sommer! Keinen großen Garten, in den man mehr Geld hineingraben muß, als Vergnügen wieder daraus emporsproßt, nein, einen kleinen Rosengarten, den man mit den eigenen Händen pflegen kann. Es müssen kleine Rosenbüsche mitten zwischen den Beeten stehen, und ein Kranz von Vergißmeinnicht müßte sich um ihren Fuß schlingen, der großblumige Mohn, der sich selbst sät, müßte überall aufschießen, sowohl in der Rasenkante als in dem Kieswege, und da müßte eine von der Sonne braungesengte Rasenbank sein, auf deren Sitz und Lehne Akelei und Kaiserkronen wachsen.
Die alte Frau Moräus besaß allerlei. Sie hatte drei fröhliche, fleißige Töchter und ein kleines Haus am Wegesrande. Sie hatte einen Notschilling auf dem Boden ihrer alten Truhe, dicke seidene Schals, hochlehnige Stühle und Erfahrung in mancherlei Dingen, die nützlich für denjenigen
sind, der sich sein Brot selber verdienen muß. Das beste aber, was sie besaß, war der Stickrahmen, der ihr das ganze Jahre hindurch Arbeit gab, und der Rosengarten, der ihr Freude machte, solange der Sommer währte.
Dann ist noch zu vermelden, daß sich in Frau Moräus’ kleinem Häuschen eine Mieterin befand, eine kleine, verdörrte alte Jungfer von ungefähr vierzig Jahren, die ein Giebelzimmer auf dem Boden bewohnte. Mamsell Marie, wie sie allgemein genannt wurde, hatte ihre eigenen Anschauungen über mancherlei, wie sie derjenige leicht bekommt, der viel allein sitzt und dessen Gedanken alles das umkreisen, was das Auge einmal gesehen hat.
Mamsell Marie glaubte, daß die Liebe die Wurzel und der Ursprung zu allem Bösen hier in dieser traurigen Welt sei.
»Es würde ja das reine Elend werden«, sagte sie. »Ich bin alt und häßlich und arm. Nein, Gott bewahre mich nur davor, daß ich mich verliebe.«
Sie saß tagaus, tagein auf der Bodenkammer in Frau Moräus’ kleinem Häuschen und filierte Gardinen und Decken. Die verkaufte sie dann an die Bauern und auf den Gütern in der Umgegend. Sie hatte sich bald ein ganzes kleines Haus zusammenfiliert, denn ein kleines Haus auf dem Aussichtshügel, der Svartsjöer Kirche gegenüber, das war ihr höchster Wunsch, ein Haus, das hoch oben auf einem Hügel lag, so daß man weit in die Ferne hinausschauen konnte, das war ihr Traum. Von der Liebe wollte sie aber nichts wissen.
Wenn sie an Sommerabenden die Violine vom Kreuzwege herüberschallen hörte, wo der Spielmann auf dem
Zaun saß und die Jugend sich zu den Takten der Polka schwang, daß ihnen der Staub um die Ohren wirbelte, da machte sie einen langen Umweg durch den Wald, um nur nichts davon zu hören und zu sehen.
Am zweiten Weihnachtstage, wenn die Bauernbräute kamen, oft fünf bis sechs an der Zahl, um von Madame Moräus und ihren Töchtern angekleidet zu werden, wenn sie mit Myrtenkränzen und hohen, mit Glasperlen verzierten Kronen, mit Gürteln aus Seide und selbstgemachten Rosen geschmückt wurden und das Kleid unten mit einer Girlande aus Stoffblumen besetzt wurde, da schloß sie sich auf ihrem Zimmer ein, um nur nicht zu sehen, wie man sie der Liebe zu Ehren herausputzte.