verlobt und Hochzeit mit ihr hält. Ja, lachen sollen sie! Hat er jemals einen lustigeren Streich geplant?
Schwer sind die Wege, auf denen die Menschen wandern – Wüstenpfade, Sumpfpfade, Bergpfade.
Muß nicht der Verstoßene den Weg des Verstoßenen wandeln? Den Weg des Zornes, den Weg des Kummers, den Weg des Unglücks? Was macht es, wenn er stürzt, wenn er zugrunde geht? Ist da irgend jemand, der sich daran kehrt, ihn zurückzuhalten? Ist da irgend jemand, der ihm eine stützende Hand, einen labenden Trunk reicht? Wo sind die kleinen Blumenmädchen, wo sind die kleinen Märchenprinzessinnen, wo sind alle die Wesen, die Rosen auf die schweren Pfade streuen sollen?
Nein, nein, die junge, sanfte Gräfin auf Borg will Gösta Berling nicht in seinen Plänen stören. Sie will an ihren Ruf denken, an den Zorn ihres Mannes und den Haß ihrer Schwiegermutter, sie will nichts tun, um ihn zurückzuhalten.
Während des langen Gottesdienstes in der Svartsjöer Kirche will sie ihr Haupt beugen, will ihre Hände falten und für ihn beten. In schlaflosen Nächten kann sie über ihn weinen und sich um ihn sorgen, aber sie hat keine Blumen, um sie auf den Weg des Verstoßenen zu streuen, keinen Tropfen Wasser, um ihn dem Durstenden zu reichen, keinen leisen Händedruck, der ihn vom Rande des Abgrunds hätte zurückführen können.
Gösta Berling macht sich nichts daraus, seine Auserwählte in Seide zu kleiden und mit Juwelen zu schmücken. Er läßt sie nach wie vor mit ihren Besen von Gehöft zu Gehöft gehen, aber wenn er alle die vornehmen Männer und Frauen aus der ganzen Gegend zu einem
großen Gastmahl auf Ekeby versammelt hat, da will er seine Verlobung veröffentlichen. Da will er sie aus der Küche hereinrufen, so wie sie von ihren langen Wanderungen heimgekehrt ist, den Staub und Schmutz der Landstraße auf den Kleidern, vielleicht zerlumpt, vielleicht ungekämmt, mit wirrem Blick, einen verwirrten Wortstrom auf den Lippen. Und dann will er die Gäste fragen, ob er jetzt nicht eine passende Braut gewählt hat, ob nicht der verrückte Pfarrer stolz sein muß auf eine so schöne Braut, auf dies sanfte Madonnengesicht, auf diese blauen, schwärmerischen Augen. Es war seine Absicht, daß niemand im voraus etwas davon erfahren sollte; aber es gelang ihm nicht, das Geheimnis zu bewahren, und unter andern erfuhr auch die junge Gräfin Dohna davon.
Aber was konnte sie tun, um ihn daran zu hindern? Der Verlobungstag ist gekommen, die Dämmerung hat sich herabgesenkt. Die Gräfin steht in dem blauen Kabinett und schaut gen Norden. Sie glaubt fast, daß sie Ekeby sehen kann, obwohl Tränen und Nebel ihren Blick hemmen. Sie sieht so deutlich das große, dreistöckige Haus, in dem drei Reihen erleuchteter Fenster strahlen, sie stellt sich vor, wie der Champagner in die Gläser geschenkt wird, wie die Toaste erschallen und Gösta Berling seine Verlobung mit der Besenverkäuferin verkündet.
Wenn sie ihm nun nahe wäre und ganz leise ihre Hand auf seinen Arm legte, oder ihm nur einen freundlichen Blick schenkte, würde er da nicht umwenden von dem bösen Wege der Verstoßenen? Wenn ein Wort aus ihrem Munde ihn zu einer so verzweifelten Handlung
getrieben hatte, würde ihn da nicht ein Wort von ihr zurückhalten können?