»Wie gut Sie sind, wie gut Sie sind!« sagt er.

Dicht neben ihnen laufen die Wogen Sturm gegen

Ekebys ganze Herrlichkeit und Ehre. Jetzt haben die Leute keinen Führer mehr, niemand, der ihnen Mut und Hoffnung einflößt, jetzt stürzt der Wellenbrecher, die Wogen schlagen darüber zusammen und stürzen sich siegesstolz gegen die Landzunge, wo die Mühle und die Schmiede liegen. Niemand arbeitet mehr, um den Wellen Widerstand zu leisten, niemand denkt an etwas anderes, als sein Leben und sein Hab und Gut zu retten.

Die beiden jungen Menschen finden es ganz in der Ordnung, daß Gösta die Gräfin nach Hause begleiten muß; er kann sie ja nicht allein lassen in der dunklen Nacht, kann sie nicht noch einmal allein über das schmelzende Eis wandern lassen. Sie denken nicht einmal daran, daß man seiner oben bei der Schmiede bedarf, sie sind so glücklich, daß die alte Freundschaft jetzt wiederhergestellt ist.

Es liegt so nahe zu glauben, daß diese jungen Menschenkinder eine warme Liebe zueinander hegen, aber wer kann das sicher wissen? In abgerissenen, einzelnen Stücken ist das strahlende Märchen ihres Lebens bis zu mir gelangt. Ich weiß ja nichts, so gut wie nichts von dem, was in ihrer innersten Seele wohnte. Was kann ich von den Beweggründen zu ihren Handlungen sagen? Ich weiß nur, daß eine junge Frau in jener Nacht ihr Leben, ihre Gesundheit, ihre Ehre, ihren guten Namen aufs Spiel setzte, um einen armen, elenden Mann wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Ich weiß nur, daß Gösta Berling in jener Nacht den Glanz und die Macht des geliebten Besitztums fallen ließ, um sie zu begleiten, die um seinetwillen die Furcht vor dem Tode, die Furcht vor der Schande, die Furcht vor der Strafe überwunden hatte.

Oft habe ich sie in Gedanken in dieser entsetzlichen Nacht über das Eis verfolgt, in dieser Nacht, die doch für sie ein so gutes Ende nahm. Ich glaube nicht, daß sich etwas Verstecktes, Verbotenes in ihrer Seele findet, das unterdrückt, das erstickt werden muß, gerade jetzt, wo sie über das Eis wandern, fröhlich über alles plaudernd, was ihnen während dieser Zeit der Trennung begegnet ist.

Er ist wieder ihr Sklave, ihr Page, der zu ihren Füßen liegt, und sie ist seine Dame. Sie sind nur froh, nur glücklich. Keins von beiden sagt ein Wort, das von Liebe spricht. Lachend patschen sie durch das Wasser am Ufer. Sie lachen, wenn sie den Weg finden, wenn sie sich verirren, wenn sie ausgleiten, wenn sie fallen, wenn sie wieder aufstehen – stets lachen sie.

Es ist wieder zu einem fröhlichen Spiel geworden, dies schöne Leben, und sie sind Kinder, die unartig waren und sich gezankt haben. Ach, wie schön ist es, wieder versöhnt zu sein und das Spiel von neuem zu beginnen!

Die Gerüchte kamen und die Gerüchte gingen. Im Laufe der Zeiten kam die Erzählung von der Wanderung der Gräfin auch bis zu Anna Stjärnhök.

»Da sieht man doch,« sagte sie, »daß Gott mehr als eine Saite auf seinem Bogen hat. Ich will mein Herz zur Ruhe bringen und bleiben, wo man meiner bedarf. Gott kann auch ohne meine Hilfe einen Mann aus Gösta Berling machen.«