Die Vögel ließen sich auf dem Geländer der Terrasse und auf dem Dache nieder. Sie saßen da, als warteten sie nur darauf, daß die Gräfin sich zeigen sollte, um sich über sie zu stürzen. Sie schlugen ihre Wohnung
im Park auf und da blieben sie. Es war unmöglich, sie vom Hof zu verjagen. Schoß man auf sie, so ward es nur schlimmer, denn für jede, die fiel, kamen zehn neue geflogen. Zuweilen entfernten sich wohl große Scharen, um Futter zu schaffen, aber es blieben stets zuverlässige Schildwachen zurück. Wenn sich Gräfin Märta nur zeigte, wenn sie nur zu einem Fenster hinaussah oder die Gardine einen Augenblick zur Seite zog, wenn sie es nur versuchte, auf die Treppe hinauszugehen, gleich waren sie da. Der ganze fürchterliche Schwarm kam mit lärmendem Flügelschlag auf das Wohnhaus zugefahren, und die Gräfin mußte in ihr innerstes Zimmer fliehen.
Sie hielt sich im Schlafzimmer hinter dem roten Saal auf. Ich habe das Zimmer oft beschreiben hören, so wie es in dieser Schreckenszeit aussah, als Borg von Elstern belagert war. Schwere Vorhänge vor Türen und Fenstern, dicke Teppiche auf dem Fußboden, schleichende, flüsternde Menschen!
Im Herzen der Gräfin wohnte der leichenblasse Schrecken. Ihr Haar war ergraut. Ihre Haut war voller Runzeln. In einem Monat war sie eine alte Frau geworden. Sie konnte ihr Herz nicht stählen gegen diesen entsetzlichen Zauber. Laut schreiend fuhr sie aus ihren nächtlichen Träumen auf, in dem Wahn, daß die Elstern über sie herstürzten. Sie weinte den ganzen Tag über dies Schicksal, dem sie nicht entgehen konnte. Sie scheute die Menschen aus lauter Angst, daß der Vogelschwarm jedem Eintretenden auf den Fersen folgen würde, und saß gewöhnlich stumm da, die Hände vor dem Gesicht, sich in ihrem Lehnstuhl hin- und herwiegend, krank und verstimmt
durch die eingeschlossene Luft, um dann plötzlich mit Schreien und Klagen aufzuspringen.
Keines Menschen Leben konnte härter sein. Wer wird die Ärmste nicht beklagen?
Ich habe jetzt nicht mehr viel von ihr zu erzählen, und das, was ich erzählt habe, ist nicht gut gewesen. Es ist mir fast, als schlüge mir das Gewissen. Sie war doch gutmütig und lebensfroh, als sie jung war, und viele ergötzliche Geschichten von ihr haben mein Herz erfreut, wenn sie hier auch keinen Platz gefunden haben.
Aber es geht so, obwohl diese Arme es nicht wußte, daß die Seele stets hungert. Von Tand und Spiel kann sie nicht leben. Bekommt sie keine andere Nahrung, so zerreißt sie gleich einem wilden Tier erst andere und dann sich selber.
Hochsommer
Der Hochsommer war dazumal heiß wie jetzt, während ich dies schreibe. Die herrlichste Zeit des Jahres war gekommen.