Das war die Zeit, in der Sintram, der böse Gutsherr, auf Fors trauerte und litt. Er grollte über den Siegeszug des Lichtes während der Stunden des Tages und über die Niederlage der Dunkelheit, und er grämte sich über die Blätterpracht, in die die Bäume gekleidet waren, und über den bunten Teppich, der die Erde bedeckte.
Alles war in Schönheit gehüllt. Der Weg, so grau und steinig er auch war, erhielt doch einen Rand von Blumen; gelbe und violette Sommerblumen, Wicken und Löwenzahn.
Als die Kraft des Hochsommertages über den Bergen lag und die Glockentöne von der Broer Kirche durch die Luft bis nach Fors herabgetragen wurden, als der unsagbare Friede des stillen Tages über den Landen herrschte, da erhob er sich im Zorn, da meinte er, daß Gott und die Menschen sich erkühnten, zu vergessen, daß er existierte, und er beschloß, nun auch in die Kirche zu gehen. Alle, die über den Sommer jubelten, sollten ihn sehen, ihn, Sintram, der die Finsternis ohne Morgen, den Tag ohne Auferstehung, den Winter ohne Frühling liebte.
Er zog den Wolfspelz an und die Fausthandschuhe aus Pelz. Er ließ ein rotes Pferd vor einen Schlitten spannen und befestigte Schellen an dem blanken Geschirr mit den Schlangenköpfen. Ausgerüstet, als seien es dreißig Grad Kälte, zog er zur Kirche. Wenn es unter den Schlittenkufen knirschte, glaubte er, daß das von der Kälte käme. Er glaubte, daß der Schaum auf dem Pferderücken Reif sei. Er fühlte keine Wärme. Von ihm ging Kälte aus, wie Wärme von der Sonne ausstrahlt.
Er fuhr über die breite Ebene nördlich von der Broer Kirche. Große, helle Dörfer lagen auf seinem Wege und Felder mit singenden Lerchen darüber. Niemals habe ich die Lerchen so singen hören wie über diesen Feldern, und ich habe oft darüber nachgegrübelt, ob er sich auch taub machen konnte für diesen hundertstimmigen Sängerchor.
Auf seinem Wege kam er aber an vielem vorüber, was ihn geärgert haben würde, wenn er ihm einen Blick geschenkt hätte. Vor der Tür einer jeden Hütte würde er zwei sich neigende Birken gesehen haben, und
durch die geöffneten Fenster würde er in Stuben geblickt haben, deren Wände mit grünen Zweigen geschmückt waren.
Das kleinste Bettelmädchen ging mit einem Fliederzweig in der Hand auf der Landstraße, und jede Bauernfrau hatte einen ganz kleinen Blumenstrauß in das Taschentuch hineingesteckt.
Maienbäume mit Blumen und grünen Kränzen standen auf den Höfen. Das Gras ringsumher war niedergetreten, denn der Tanz war in der Mittsommernacht lustig über sie dahingegangen.
Unten auf dem Löfsee wimmelte es von Holzflößen; kleine weiße Segel waren zur Ehre des Tages gehißt, obwohl kein Wind sich rührte; da war keine Mastspitze, die nicht einen grünen Kranz trug.