Auf allen den vielen Wegen, die nach Bro führten, kamen die Leute zur Kirche gewandert, namentlich die Frauen in zierlich geschmückten, hellen, selbstgewebten Sommerkleidern, die gerade für den heutigen Tag fertig geworden waren. Alle waren festlich gekleidet.
Und die Menschen konnten gar nicht fertig werden, sich über den Feiertagsfrieden und die Ruhe von der Alltagsarbeit zu freuen, über die liebliche Wärme, über die vielversprechende Ernte und die Erdbeeren, die am Wegrande sich zu röten begannen. Sie sprachen von der Stille der Luft, von dem wolkenlosen Himmel und dem Lerchengesang und sagten: »Ja, wahrlich, dies ist der Tag des Herrn!«
Da kam Sintram dahergefahren. Er fluchte und schwang die Peitsche über dem schweißtriefenden Pferde. Der Sand knirschte häßlich unter den Schlittenkufen, der
scharfe Klang der Schellen übertönte den Laut der Kirchenglocken. Die Stirn lag in zornigen Falten unter der Pelzmütze.
Da stutzten die Kirchengäste und meinten, sie hätten den leibhaftigen Gottseibeiuns gesehen. Nicht einmal heute, an dem Festtage des Sommers selbst, durften sie die Kälte und die Bosheit vergessen. Es ist ein bitteres Los, auf Erden zu wandern.
Die Leute, die im Schatten der Kirchhofsmauer standen oder auf den Kirchhofsteinen saßen und darauf warteten, daß der Gottesdienst beginnen sollte, sahen mit stiller Verwunderung, wie er dort auf die Kirchentür zuschritt. Eben noch hatte der schöne Tag ihre Herzen mit Freude darüber erfüllt, daß es ihnen vergönnt war, auf Gottes grüner Erde zu wandern und die Schönheit des Daseins zu genießen. Jetzt, wo sie Sintram sahen, wurden sie von der Ahnung eines geheimnisvollen Unglücks ergriffen.
Als er durch die Schar ging, bemerkten sie mit abergläubischer Angst die Art und Weise, wie er grüßte. Froh war jeder, an dem er vorüberging, ohne ihn anzusehen, denn er grüßte nur diejenigen, die seiner Sache dienten. Vor dem Brobyer Pastor nahm er die Mütze tief ab, und vor Marianne Sinclaire und den Kavalieren lüftete er sie, aber für den Probst in Bro und für den Amtmann hatte er keinen Gruß.
Sintram trat in die Kirche, setzte sich in seinen Stuhl und warf die Fausthandschuhe auf die Bank, so daß man in der ganzen Kirche das Rasseln der Wolfsklauen hören konnte, die in das Fell eingenäht waren. Und einige von den Frauen, die sich in die vorderen Stühle gesetzt
hatten, wurden ohnmächtig, als sie die zottige Gestalt sahen, und mußten hinausgetragen werden.
Aber niemand wagte Sintram hinauszujagen. Er störte die Andacht der Gemeinde, aber er war zu sehr gefürchtet, als daß jemand es gewagt hätte, ihm zu befehlen, daß er die Kirche verlassen solle.