Vergebens redete der alte Probst von dem lichten Fest des Sommers, niemand hörte ihm zu. Alle dachten nur an Bosheit und Kälte und an das geheimnisvolle Unglück, dessen Vorbote der böse Gutsherr war.
Als alles vorüber war, sah man den Bösen an den Abhang des Hügels treten, auf dem die Broer Kirche liegt. Er sah auf den Brobyer Strand nieder und folgte ihm mit den Augen, vorbei an den drei Landzungen des westlichen Ufers, bis in den Löfsee hinein. Und man sah ihn die Hand ballen und über den See und die grünen Ufer hinüberdrohen. Dann glitt sein Blick gen Süden, über den südlichen Löfsee hinab, bis zu den blauenden Landzungen, die den See abzuschließen schienen. Und meilenweit flog er gen Norden hinauf, vorbei an dem Gurlitaberge und bis Björnidet, wo der See endet. Er sah nach Westen und Osten, wo die Berge das Tal umkränzen, und er ballte die Hand von neuem. Und alle fühlten, daß, wenn er ein Bündel Blitze in der Rechten gehabt hätte, er sie in wilder Freude über die friedliche Landschaft geschleudert und Tod und Jammer verbreitet haben würde, so weit seine Macht reichte. Denn nun hatte er sein Herz so an das Böse gewöhnt, daß er an nichts Freude fand als am Elend. Er hatte sich allmählich selbst gelehrt, alles zu lieben, was häßlich und böse ist. Er war wahnsinniger als der unbändigste Tolle,
aber das begriff niemand, hinterher machten wunderliche Gerüchte die Runde in der Umgegend. Man erzählte, daß, als der Küster kam, um die Kirche zu schließen, der Bart an dem Schlüssel abbrach, weil ein hart zusammengerolltes Papier in das Schloß hineingesteckt worden war. Er brachte es dem Propst. Es war, wie man wohl begreifen kann, ein Brief, der für ein Wesen in der anderen Welt bestimmt war.
Man flüsterte davon, was auf dem Papier zu lesen gestanden hatte. Der Propst hatte es verbrannt, aber der Küster hatte zugesehen, während der Teufelskram brannte. Die Buchstaben hatten hellrot auf schwarzem Grund geleuchtet. Er hatte nicht umhin können, es zu lesen. Er las, so erzählte man, daß der böse Mann das Land zerstören wolle, so weit, wie der Broer Kirchturm sichtbar war. Er wollte den Wald über die Kirche hinwegwachsen sehen. Er wollte Bär und Fuchs in den Wohnungen der Menschen hausen sehen. Die Felder sollten öde daliegen, und weder Hund noch Hahn sollte man mehr in diesen Gegenden hören. Der Böse wollte seinem Herrn dienen, indem er über jedermann Unglück brachte. Das hatte er gelobt.
Und die Menschen sahen der Zukunft in stummer Verzweiflung entgegen, denn sie wußten, daß die Macht des Bösen groß war, daß er alles Lebende haßte, daß er wünschte, die Wildnis sich über das Tal ausbreiten zu sehen, und daß er gern die Pest oder die Hungersnot oder den Krieg in seinen Dienst nahm, um jeden zu vertreiben, der die gute, freudebringende Arbeit liebte.
Frau Musika
Als nichts Gösta Berling erheitern konnte, nachdem er der jungen Gräfin zur Flucht verholfen hatte, beschlossen die Kavaliere, Hilfe bei der guten Frau Musika zu suchen – die ist eine mächtige Fee und hat gar manche getröstet.
Deswegen ließen sie eines Abends im Juli die Türen zu dem großen Saal auf Ekeby öffnen und die Fensterläden entfernen. Sonne und Luft wurden eingelassen, die große, rote Sonne des Spätabends, die milde, dufterfüllte Luft der kühlen Abendstunde. Die gestreiften Überzüge wurden von den Möbeln genommen, das Klavier wurde geöffnet und der Flor von den venezianischen Kronleuchtern entfernt. Die goldenen Greife unter den weißen Platten der Marmortische durften wieder im Licht blitzen. Die weißen Göttinnen tanzten in dem schwarzen Feld über den Spiegeln. Die verschieden geformten Blumen des Seidendamasts schimmerten in der Abendröte. Und es wurden Rosen gepflückt und in Wasser gesetzt, der ganze Saal war von ihrem Duft erfüllt. Es waren wunderbare Rosen, deren Namen niemand kannte, die aber aus fremden Landen nach Ekeby gekommen waren. Da waren die gelben Rosen, in deren Adern das Blut so rot schimmert wie in denen eines Menschen, und die sahnefarbigen mit dem faserigen Rand und die rosaroten mit den großen Blättern, die am äußersten Rande farblos wie Wasser werden, und die dunkelroten mit den schwarzen Schatten. Alle Rosen Altringers brachten sie herein, die aus fernen Landen gekommen waren, um die Augen schöner Frauen zu erfreuen.
Und dann schaffen sie Noten und Notenpulte herbei und Messinginstrumente und Bogen und Violinen in allen Größen, denn jetzt soll die gute Frau Musika auf Ekeby herrschen und versuchen, Gösta Berling zu trösten.