diesen Versuch als auch alles andere vergessen. Sein Gewissen schlief von neuem seinen einjährigen Schlaf.
Er war ein seltener Mann, dieser Patron Julius. Er war leicht im Tanz, munter am Spieltisch. Feder und Violinbogen lagen ihm gleich leicht in der Hand. Er hatte ein leichtbewegliches Herz und schöne Worte auf der Zunge, sein Mund war voll von Liedern. Aber was hätte ihm dies alles genützt, wenn er nicht ein Gewissen gehabt hätte, das nur einmal im Jahr von sich hören ließ, gleich jenen Eintagsfliegen, die sich aus der dunklen Tiefe erheben und die Flügel ausbreiten, um nur einige Stunden in Tageslicht und Sonnenschein zu leben.
Die tönernen Heiligen
Die Kirche zu Svartsjö ist von innen und von außen weiß; die Wände sind weiß, die Kanzel, die Bänke, die Pulpitur, die Decke, die Fensterbretter, die Altardecke – alles ist weiß. In der Svartsjöer Kirche ist kein Schmuck, da sind keine Bilder, keine Wappenschilder. Über dem Altar steht nur ein hölzernes Kreuz mit einem weißen, leinenen Tuch. Früher war das anders. Da war die Decke voller Malereien, da war eine Mannigfaltigkeit von bunten Figuren aus Stein und Ton in diesem Gotteshause.
Einstmals, vor vielen Jahren an einem Sommertage, hatte ein Künstler in Svartsjö dagestanden und den Zug der Wolken nach der Sonne hin beobachtet. Er hatte die weißen, schimmernden Wolken, die am Morgen unten am Horizont stehen, sich höher und höher auftürmen
sehen, er hatte alle die schwebenden Kolosse größer und größer werden und zu dem Hohen emporstürmen sehen. Sie spannten die Segel aus wie Schiffe. Sie erhoben ihre Standarten wie Krieger. Sie zogen aus, um den ganzen Himmel zu erobern. Der Sonne, diesem Herrscher des Weltenraums gegenüber, verstellten sie sich, diese wachsenden Wunder, und nahmen eine ganz unschuldige Gestalt an.
Da war zum Beispiel ein reißender Löwe, der sich in eine gepuderte Dame verwandelte. Da war ein Riese mit Armen, die alles zermalmen konnten; der legte sich hin wie eine träumende Sphinx. Einige schmückten ihre weiße Nacktheit mit goldverbrämten Mänteln, andere streuten rote Schminke auf schneeweiße Wangen. Da waren Ebenen. Da waren Wälder. Da waren festgemauerte Burgen mit hohen Türmen. Die weißen Wolken errangen die Herrschaft über den Wolkenhimmel. Sie füllten die ganze blaue Wölbung. Sie erreichten die Sonne und verbargen sie.
Ach, wie schön, dachte der fromme Künstler, wenn die sehnsuchtsvollen Geister auf die turmhohen Berge hinaufsteigen könnten und von ihnen wie auf einem schaukelnden Schiff höher und höher hinausgetragen würden.
Und plötzlich ward es ihm klar, daß die weißen Wolken des Sommertages die Fahrzeuge waren, auf denen die Seelen der Seligen dahinzogen.
Er sah sie dort oben, dort standen sie auf den schwebenden Massen mit Lilien in der Hand und goldenen Kronen auf dem Haupte. Die Luft hallte wider von ihrem Gesang. Engel flogen auf starken, breiten Flügeln herab, um ihnen zu begegnen. O, welch eine Menge