dein Gewand. Lange Bänder von blauem Wasser und gerade Reihen von blauen Bergen verbrämen es. Du bist so natürlich, daß der Fremde nicht sieht, wie schön du bist. Du hast die Armut, die die Frommen zu besitzen wünschen. Regungslos sitzest du da, während die Wellen des Wenersees deine Füße und deine gekreuzten Beine umspülen. Zur Linken breiten sich deine Erzlager und deine Gruben. Das ist dein pochendes Herz. Gen Norden liegen die dunklen, schönen Wiesen der Einsamkeit, des Geheimnisvollen. Das ist dein träumendes Haupt.

»Wenn ich dich sehe, du alter, ernsthafter Riese, so füllen sich meine Augen mit Tränen. Du bist strenge in deiner Schönheit, du bist Andacht, Armut, Entsagung, und doch sehe ich mitten in deiner Strenge die sanften Züge der Milde. Ich sehe dich und bete dich an. Sehe ich nur hinein in den tiefen Wald, berührt nur ein Zipfel deines Gewandes mich, so findet meine Seele Heilung. Stunde für Stunde, Jahr für Jahr habe ich in dein heiliges Antlitz geschaut. Welche Rätsel verbirgst du nicht unter den gesenkten Augenlidern, du Gottheit der Entsagung? Hast du das Rätsel des Lebens oder des Todes gelöst, oder grübelst du nach, du Heiliger, du Riesengleicher? Für mich bist du der Hüter ernster, großer Gedanken. Aber ich sehe Menschen auf dir und um dich wimmeln, Wesen, die nie die Hoheit des Ernstes auf deiner Stirn gespürt haben. Sie sehen nur die Schönheit deines Antlitzes und deiner Glieder und lassen sich davon betören, so daß sie alles vergessen.

»Wehe mir, wehe uns allen, uns Kindern Wermlands! Schönheit, Schönheit und nichts weiter verlangen wir vom Leben! Wir, Kinder des Entsagens, des Ernstes,

der Armut, erheben unsere Hände in einem einzigen langen Gebet und begehren dies einzige Gut: Schönheit! Möge das Leben sein wie ein Rosenbusch, blühend von Liebe, Wein und Freude, und mögen seine Rosen einem jeden erreichbar sein! Siehe, dies wünschen wir, und unser Land trägt die Züge der Strenge, des Ernstes, der Entsagung. Unser Land ist das ewige Symbol der Grübelei, wir aber haben keine Gedanken.

»O Wermland, du schönes, du herrliches Land!«

So sprach er mit Tränen in den Augen und mit einer Stimme, die vor Begeisterung bebte. Die jungen Mädchen lauschten ihm voll Staunen, aber nicht ohne Rührung. Nur wenig ahnten sie die Tiefe des Gefühls, die sich unter dieser Oberfläche verbarg, die von Scherz und Lachen glitzerte.

Als der Abend nahte und sie wieder auf den Heuwagen stiegen, wußten die jungen Mädchen kaum, wohin Patron Julius sie gefahren hatte, ehe sie vor der Treppe von Ekeby hielten.

»Nun wollen wir hierhinein und ein Tänzchen machen, ihr kleinen Mädchen!« sagte Patron Julius.

Was sagten denn die Kavaliere, als sie Patron Julius herbeikommen sahen, einen welken Kranz um den Hut und den Wagen voll junger Mädchen?

»Dachten wirs uns doch, daß die jungen Mädchen mit ihm abgezogen wären,« sagten sie, »sonst hätten wir ihn schon vor Stunden wieder hiergehabt!« Denn die Kavaliere entsannen sich sehr wohl, daß dies genau das siebzehnte Mal war, daß Patron Julius den Versuch gemacht hatte, Ekeby zu verlassen, – regelmäßig einmal jedes Jahr. Jetzt hatte Patron Julius sowohl