Blick, wie die Dürre die Gegend verwüstet hatte, wie versengt die Saaten waren, wie die Bevölkerung es kaum der Mühe wert hielt, die Erde für die Saat des neuen Jahres vorzubereiten. Er sah zu den blauen Bergen auf, und die Morgensonne zeigte ihm die braunen, verdorrten Stellen, wo der Waldbrand gerast hatte. Er beschaute die Birken am Wegesrande, die waren vor Dürre fast eingegangen. Er konnte es an verschiedenen kleinen Anzeichen merken – an dem Geruch der Mast, wenn er an einem Hofe vorüberkam, an den Zäunen, die umgefallen waren, an der geringen Menge Brennholz, die nach Hause gefahren und zerkleinert war, – daß die Leute sich nicht um ihre Sachen bekümmerten, daß die Not gekommen war, daß die Menschen ihren Trost in Gleichgültigkeit und im Branntwein suchten.

Aber vielleicht war es gut für ihn, daß er sah, was er sah. Denn ihm war es nicht vergönnt, die Saat auf seinem eigenen Acker grünen und keimen zu sehen, es war ihm nicht vergönnt, an seinem eigenen Herd zu sitzen und zu sehen, wie die glühenden Kohlen erloschen, auch nicht zu fühlen, wie sich die weichen Hände seiner Kinder in seine eigenen legten, oder eine fromme Gattin an seiner Seite zu haben. Vielleicht war es gut für ihn, dessen Sinn von schwerem Kummer belastet war, daß es andere gab, denen er Trost in ihrer Armut schenken konnte. Vielleicht war es gut für ihn, daß diese Zeit eine so bittere Zeit war, wo die Kargheit der Natur Armut über die kleinen Leute gebracht hatte, wo manch einer, der glücklicher gestellt war, das Seine tat, um sie zu verderben. Denn nicht umsonst hatte der Pfarrer von Broby als begehrlicher Geizhals unter seinen Gemeindegliedern

gesessen, statt ihnen ein rechter Hirte zu sein; nicht umsonst hatten die Kavaliere in Verschwendung und Trunkenheit regiert, nicht umsonst hatte Sintram ihnen den wilden Glauben beigebracht, daß Zerstörung und Tod über sie alle hereinbrechen werde.

Hauptmann Lennart stand dort auf dem Brobyer Hügel und mußte unwillkürlich denken, daß Gott seiner vielleicht bedürfe. Er ward auch nicht von einer reuigen Gattin heimgerufen.

Es muß noch erwähnt werden, daß die Kavaliere später gar nicht begreifen konnten, daß sie die Schuld an Frau Lennarts hartem Benehmen trugen. Sintram sagte nichts. In der Gegend wurden viele mißbilligende Worte über die Gattin laut, die zu stolz gewesen war, um einen so guten Mann aufzunehmen. Man erzählte, daß sie jeden kurz unterbrach, der den Versuch machte, mit ihr von ihrem Gatten zu reden. Sie konnte es nicht ertragen, daß sein Name genannt wurde. Hauptmann Lennart aber tat nichts, um sie auf andere Gedanken zu bringen.

Es war einen Tag später.

Ein alter Bauer in Högberg liegt auf dem Totenbette. Er hat das Sakrament empfangen und seine Lebenskraft ist verzehrt; er muß sterben. Rastlos wie jemand, der im Begriff steht, eine lange Reise anzutreten, läßt er sein Bett aus der Küche in die Stube und aus der Stube wieder zurück in die Küche bringen. Hieraus kann man, mehr als aus seinem schweren Röcheln, erkennen, daß seine letzte Stunde gekommen ist.

Um ihn herum stehen seine Frau, seine Kinder, sein Gesinde. Er war glücklich, reich und angesehen gewesen

Sein Totenbett ist nicht einsam. Er ist in seiner letzten Stunde nicht von ungeduldigen Fremden umgeben. Der alte Mann spricht von sich immer selber, als stehe er vor Gottes Angesicht, und mit vielen Seufzern und bestätigenden Worten bezeugen die Umstehenden, daß seine Rede wahr ist.

»Ich bin ein fleißiger Arbeiter und ein guter Hausherr gewesen«, sagte er. »Ich habe meine Frau geliebt wie meine rechte Hand. Ich habe meine Kinder nicht ohne Zucht und Pflege aufwachsen lassen. Ich habe nicht getrunken. Ich habe die Grenzscheide nicht verrückt. Ich habe meinem Pferd, wenn es bergan ging, nicht die Sporen gegeben, ich habe die Kühe im Winter nicht hungern lassen. Ich habe die Schafe im Sommer nicht mit ihrer Wolle herumlaufen lassen.«