Dieser Augenblick trieb Hauptmann Lennart unter die Leute hinaus. Sonst wäre er wohl nach Hause gegangen und hätte seiner Frau sein wahres Gesicht gezeigt, aber von diesem Augenblick an glaubte er, daß Gott seiner bedürfe. So wurde er denn Gottes Gesandter, der den Armen zu Hilfe kam. Die Not war groß zu jener Zeit, und da war viel Elend, dem Klugheit und guter Wille steuern konnten, besser als Gold und Macht es vermocht hätten.

Hauptmann Lennart kam eines Tages zu den armen Bauern, die in der Gegend um den Gurlitaberg wohnten. Unter ihnen war die Not groß; sie hatten keine Kartoffeln mehr, und sie konnten keinen Roggen auf den versengten Feldern säen, denn es fehlte ihnen an Saatkorn.

Da nahm Hauptmann Lennart ein kleines Boot und ruderte geradeswegs über den See und bat Sintram, ihnen Roggen und Kartoffeln zu geben. Sintram nahm

ihn gut auf: er führte ihn auf die großen, wohlversehenen Kornböden und hinab in die Keller, wo noch Kartoffeln von der vorjährigen Ernte lagen, und ließ ihn alle die Säcke und Beutel füllen, die er mitgebracht hatte.

Als aber Sintram das kleine Boot sah, meinte er, daß es für die große Last viel zu klein sei. Der böse Mann ließ die Säcke in eins seiner großen Boote tragen und es von seinem Knecht, dem starken Måns, über den See rudern. Hauptmann Lennart brauchte nur acht auf sein kleines Boot zu geben.

Der starke Måns segelte aber doch an ihm vorbei, denn er war ein Meister im Rudern und gewaltig stark. Hauptmann Lennart sitzt auch da und träumt, während er über den schönen See rudert: er denkt an das wunderliche Schicksal der kleinen Saatkörner. Jetzt sollen sie auf den schwarzen Erdboden geworfen werden, der voller Asche ist, zwischen Steine und Baumstümpfe, aber sie werden schon wachsen und Wurzeln schlagen in der Wildnis! Er denkt an die weichen, lichtgrünen Halme, die die Erde bedecken werden, und er beugt sich in Gedanken herab und streichelt mit der Hand liebkosend darüber hin. Und dann denkt er, wie der Herbst und der Winter hingehen werden über diese armen Kleinen, die so spät aus der Erde emporgekommen sind, und wie sie doch frisch und mutig sein werden, wenn der Frühling kommt, und sie allen Ernstes wachsen sollen. Da freut sich sein altes Kriegerherz bei dem Gedanken an die steifen Strohhalme, die so rank und mehrere Ellen hoch mit spitzen Ähren dastehen werden. Die Ähren werden mit ihren kleinen Federbüschen fächeln, der Samenstaub aus den Staubgefäßen wird bis oben hinauf in die Baumwipfel fliegen, und dann, unter sicht

lichem Kampf und Angst, werden die Ähren mit süßen, weichen Körnern gefüllt werden. Und später, wenn die Sense kommt und die Halme fallen, und wenn der Dreschflegel klappernd darüber hinfährt, wenn die Mühle die Körner zu Mehl zermahlt, und das Mehl zu Brot verbacken wird, wie viel Hunger wird da nicht durch die Saatkörner vor ihm im Boot gestillt werden!

Sintrams Knecht legte an der Landungsbrücke der Gurlitabauern an, und viele hungrige Menschen kamen an das Boot hinab. Da sagte der Knecht, wie sein Herr ihm befohlen hatte: »Herr Sintram sendet euch hier Malz und Korn. Er hat gehört, daß es euch an Branntwein gebricht.«

Da wurden die Menschen wie toll. Sie stürzten in das Boot hinab und sprangen ins Wasser, um sich der Säcke und Beutel zu bemächtigen. Aber das war keineswegs Hauptmann Lennarts Absicht gewesen.