Er kam und war nahe daran, sie mit seinen Liebkosungen zu ersticken. Armer Junge! Wie hatte er sich gesehnt, wie hatte er gelitten!

Nach einer Weile schaute sie aus dem Fenster. Da ging Frau Gustava noch immer und redete mit dem großen Gutsherrn über Blumen und Vögel, und hier saß sie und sprach von Liebe. »Das Leben hat uns beide seinen harten Ernst fühlen lassen!« dachte sie und lächelte wehmütig. »Es wird uns trösten, daß wir jeder unser großes Kind bekommen, mit dem wir spielen können.«

Es war doch gut, daß sie geliebt werden konnte. Es tat doch wohl, ihn von der Zauberkraft flüstern zu hören, die von ihr ausging, und wie er sich über das schämte, was er in seiner ersten Unterredung mit ihr gesagt hatte. Er ahnte damals nicht, welche Macht sie besaß. Ach, kein Mann konnte in ihrer Nähe weilen, ohne sie zu lieben,

aber sie habe ihn eingeschüchtert, er sei sich so wunderlich nichtig vorgekommen.

Dies war kein Glück und auch kein Unglück, aber sie wollte versuchen, das Leben mit diesem Manne zusammen zu leben.

Sie fing an, sich selbst zu verstehen und dachte an die Worte des alten Liedes von der Turteltaube, dem Vogel der Sehnsucht: »Sie trinkt niemals das klare Wasser, sie macht es erst trübe mit ihrem Fuß ...«, damit es besser zu ihrem traurigen Sinn passen möge. So sollte auch sie nicht an die Quelle des Lebens kommen und das klare, unvermischte Glück trinken. Von Wehmut getrübt – so war das Leben am besten für sie.

Der Tod, der Befreier

Mein bleicher Freund, der Tod, der Befreier, kam im August, als die Nächte bleich vom Mondschein waren, zu Hauptmann Ugglas Heim. Aber er wagte es nicht, geradeswegs in das gastfreie Haus zu treten; denn derer, die ihn lieben, sind nur gar wenige.

Mein bleicher Freund, der Tod, der Befreier, hat ein mutiges Herz. Es ist seine Lust, von glühenden Kanonenkugeln getragen durch die Luft zu reiten. Er nimmt die pfeifende Granate auf den Nacken und lacht, wenn sie springt und die Splitter umherfliegen. Er schwingt sich im Gespenstertanz auf den Kirchhöfen und scheut nicht die Pestsäle der Hospitäler, aber er zittert an der Schwelle des Redlichen, an der Tür des Guten. Denn er will nicht mit Tränen, sondern mit Freuden begrüßt werden, er, der die Geister aus den Banden des Schmerzes befreit, der

sie von dem bedrückenden Staub befreit, der sie das freie, herrliche Leben im Weltenraum erproben läßt.