Unter solchen Gedanken setzt sie sich hin und schreibt, um ihm seine Freiheit zurückzugeben. Sie schreibt sanfte, eindringliche Worte, Vernunft in Scherz gehüllt und dabei doch so, daß er verstehen kann, wie ernst sie es meint.

Während sie noch schreibt, ertönt Hufschlag auf der Landstraße.

»Mein lieber Ritter Sonnenschein,« denkt sie, »das ist das letztemal!«

Gleich darauf tritt der Baron bei ihr ein.

»Aber Adrian, kommst du hier herein!« Und sie sieht entsetzt all die Unordnung an.

Er wird ganz verlegen und stammelt einige Worte der Entschuldigung.

»Ich bin gerade im Begriff, dir zu schreiben«, sagt sie. »Schau her, du kannst es ja gleich lesen.«

Er nimmt den Brief, und sie beobachtet ihn, während er liest. Sie sehnt sich danach, sein Antlitz vor Freude aufleuchten zu sehen. Aber er hat nicht lange gelesen, als Purpurröte sein Antlitz übergießt; er wirft den Brief auf den Boden, stampft darauf und flucht, als solle der Himmel einstürzen.

Da geht ein leises Beben durch Marianne. Sie ist kein Anfänger im Studium der Liebe, aber bisher hat sie diesen unerfahrenen Knaben, dies große Kind nicht verstanden.

»Adrian, lieber Adrian,« sagt sie, »was für eine Komödie hast du mir vorgespielt? Komm und erzähle mir die Wahrheit!«