Eine solche Dürre nach Johannis würde kaum in einer andern Gegend so unheilschwanger sein als gerade in Wermland. Dort aber war der Frühling spät gekommen. Das Gras war noch nicht sehr hoch und wurde auch nicht hoch. Dem Roggen fehlte es an Nahrung gerade zu der Zeit, als er blühen und Körner ansetzen sollte. Die Frühlingssaat, die zu jener Zeit das meiste Brot lieferte, trug dünne, kleine Ähren auf Halmen, die nicht länger als eine viertel Elle waren. Die spät gesäten Rüben wollten gar nicht wachsen, nicht einmal die Kartoffeln vermochten aus dieser versteinerten Erde Nahrung zu saugen.
In solchen Jahren fingen sie droben in den Waldhütten an sich zu ängstigen, und von den Bergen verbreitete sich die Angst bis zu der ruhigeren Bevölkerung in den Ebenen.
»Gottes Hand sucht jemand!« sagen die Bauern.
Und ein jeder schlägt sich vor die Brust und sagt: »Bin ich es? – Ach, Mutter, ach, Natur, bin ich es? Bleibt der Regen aus Unwillen über mich fort? Wird die strenge Erde aus Zorn über mich hart und trocken? Und strömt dieser ewige Sonnenschein in seiner Klarheit jeden Tag von einem wolkenlosen Himmel herab, um glühende Kohlen auf mein Haupt zu sammeln? Oder, wenn ich es nicht bin, wen sucht denn da die Hand Gottes?«
Während die Roggenkörner in den kleinen Ähren verschmachten, während die Kartoffeln keine Nahrung aus der Erde saugen können, während sich das Vieh mit roten Augen und nach Luft schnappend um die fast ausgetrockneten
Brunnen schart, während die Angst vor der Zukunft das Herz zusammenschnürt, werden dort in der Gegend wunderliche Reden geführt.
»Eine solche Heimsuchung kommt nicht ohne Grund«, sagen die Leute. »Wen sucht Gottes Hand?«
Es war an einem Sonntag im August. Der Gottesdienst war beendet. In kleinen Gruppen wanderten die Leute über die sonnenheiße Landstraße dahin. Ringsumher erblickten sie versengte Wälder und eine verdorbene Ernte. Der Roggen stand in Hocken, aber die Garben waren dünn und die Ähren klein. Das Urbarmachen durch Absengen war in diesem Jahr eine leichte Arbeit gewesen, aber es war auch gar oft geschehen, daß die dürren Wälder Feuer gefangen hatten. Und was der Waldbrand verschont hatte, das hatten die Insekten verzehrt; die Tannen hatten ihre Nadeln verloren und standen kahl da wie ein Laubwald im Herbst, die Blätter der Birken hingen ausgefranst herab mit bloßgelegten Rippen und zerfressenen Blattflächen.
Den bekümmerten Gruppen fehlte es nicht an Unterhaltungsstoff. Gar manche konnten erzählen, wie es in den Notjahren 1808 und 1809 und in dem kalten Winter 1812 gewesen war, als die Sperlinge totfroren. Die Hungersnot war ihnen nicht fremd, sie hatten ihr schreckliches Antlitz schon gesehen. Sie wußten, wie man Brot aus Rinde buk und die Kühe daran gewöhnte, Moos zu fressen.
Eine Frau hatte einen neuen Versuch gemacht, Brot aus Kronsbeeren und Gerstenmehl zu backen. Sie hatte eine Probe davon mit und ließ die Leute kosten. Sie war stolz auf ihre Entdeckung. Über ihnen allen aber schwebte