Milder wurde er dadurch nicht. Er hatte nach dem Besuch des alten Fräuleins vielleicht den Wunsch gehabt, sich zu ändern; jetzt konnte er es nicht. Er wollte sich nicht zwingen lassen, besser zu werden.

Allmählich aber wurde der Hügel ihm zu mächtig. Er mußte stets daran denken, und die Ansicht, die alle hegten, faßte auch bei ihm Wurzel. Es war das entsetzlichste

Zeugnis, dies Abwerfen dürrer Zweige. Er betrachtete den Hügel und zählte die Zweige, die jeden Tag hinzugekommen waren. Der Gedanke hieran griff um sich und verdrängte alle andern Gedanken. Der Hügel besiegte ihn.

Mit jedem Tag, der verging, mußte er den Leuten mehr recht geben. Er fiel ab und ward im Laufe weniger Wochen ein Greis. Er bekam Gewissensbisse, so daß er ganz krank davon wurde. Aber es war ihm, als stehe das alles mit diesem Hügel im Zusammenhang. Es war ihm, als müßten die Gewissensbisse schweigen, als würde die Last des Alters wieder von ihm weichen, wenn nur der Hügel nicht mehr da wäre.

Schließlich saß er den ganzen Tag da und gab acht. Aber die Leute waren unbarmherzig, und in der Nacht wurden stets wieder neue Zweige auf den Hügel geworfen.


Eines Tages kam Gösta Berling des Weges gefahren. Der Pfarrer von Broby saß am Wegesrande, alt und abfällig. Er saß da und zerrte an den dürren Zweigen und legte sie zu Haufen und Reihen zusammen und spielte damit, als sei er wieder zum Kinde geworden. Gösta jammerte seines Elends.

»Was machen Sie denn da?« sagte er, schnell vom Wagen springend.

»Ach, ich sitze hier und suche die Zweige aus – eigentlich tue ich nichts.«

»Sie sollten nach Hause gehen, Herr Pfarrer, und hier nicht im Staub der Landstraße sitzen.«