»Ja, Gräfin, es wird niederschlagen wie ein Blitz, wie ein Blitz, der leuchtet und tötet. Seit ihn Moses aus der Donnerwolke des Berges Sinai hervorgezogen und ihn in dem Allerheiligsten des Tabernakels auf den Gnadenstuhl gesetzt hat, seit der Zeit hat er sicher und ruhig dagesessen, der alte Jehova; aber jetzt sollen die Menschen sehen, was er ist: Einbildung, Leere, Dunst, die totgeborene Ausgeburt unseres eigenen Gehirns. Er soll zu nichts zusammensinken!« rief der Greis aus und legte seine runzelige Hand auf den Papierhaufen. »Hier steht es, und wenn die Menschen es erst lesen, dann müssen sie es glauben. Sie werden auffahren und ihre eigene Dummheit sehen; sie werden das Kreuz als Brennholz,

die Kirchen zu Kornspeichern gebrauchen, und die Geistlichen werden den Erdboden pflügen.«

»O Onkel Eberhard,« sagt die Gräfin mit einem leichten Schaudern, »stehen da wirklich so schreckliche Dinge?«

»Schrecklich?« wiederholt der Alte. »Das ist ja die Wahrheit. – Aber wir sind wie die Kinder, die den Kopf in dem Rock einer Frau verbergen, sobald sie einem Fremden begegnen; wir haben uns daran gewöhnt, uns vor der Wahrheit zu verstecken, vor dem ewig Fremden. Aber nun wird sie kommen und unter uns wohnen, nun wird sie von allen gekannt sein.«

»Von allen?«

»Nicht nur von den Philosophen, sondern von allen, verstehen Frau Gräfin, von allen.«

»Und dann soll Jehova sterben?«

»Er und alle Engel, alle Heiligen, alle Teufel, alle Lügen.«

»Wer soll dann die Welt regieren?«

»Glauben Frau Gräfin, daß jemand sie bisher regiert hat? Glauben Frau Gräfin an diese Vorsehung, die acht gibt auf die Sperlinge und auf das Haar auf dem Haupte? Niemand hat sie regiert, und niemand wird sie regieren.«