»In diesem Frühling traf das Unglück ein. Bis dahin hatte er sie niemals gesehen. Da sagte er zu ihr, daß sie seine Braut sein solle. Es war nur ein Scherz; er ließ sie wieder laufen, aber sie konnte sich gar nicht trösten. Sie kam stets nach Ekeby zurück. Sie folgte ihm auf den Fersen, wohin er auch ging. Er ward ihrer überdrüssig. Als sie zuletzt da war, hetzten sie die Hunde auf sie. Seither hat niemand sie gesehen.«
Auf, ihr Männer! Es gilt ein Menschenleben. Ein Mensch hat sich in den Wald gelegt, um zu sterben. Vielleicht ist sie schon tot. Oder vielleicht wandert sie noch da draußen herum und kann den rechten Weg nicht finden. Der Wald ist groß, und ihr Verstand ist bei Gott.
Schließet euch dem Zuge an, kommt mit! Laßt den Hafer in Hocken stehen, bis die dünnen Körner aus den Ähren fallen, laßt die Kartoffeln in der Erde verfaulen; laßt die Pferde los, damit sie nicht im Stall verdursten; laßt die Tür zum Kuhstall offen stehen, so daß die Kühe die Nacht unter Dach kommen können; nehmt die Kinder mit, denn die Kinder gehören Gott. Gott ist mit den Kleinen; er leitet ihre Schritte. Sie sollen helfen, wo menschliche Klugheit zu Ende ist.
Kommt alle, Männer, Frauen und Kinder! Wer wagt es, zu Hause zu bleiben? Wer kann wissen, ob Gott sich nicht gerade seiner bedienen will? Kommt herbei, alle, die ihr der Barmherzigkeit bedürft, damit eure
Seele nicht einstmals hilflos auf den dürren Stätten umherschwanken muß, ohne Ruhe finden zu können. Kommt! Gott hat ihr den Verstand genommen, und der Wald ist groß.
Ach, wer kann den Fleck finden, wo die Tannen am dichtesten stehen, wo das Moos am weichsten ist? Liegt dort nicht etwas Dunkles hart an der Bergwand? Ach, ein Ameisenhaufen. Gelobt sei, der den Weg der Toren lenkt! Es ist nichts anderes!
Welch ein Zug! Kein feierlich geschmückter Festzug, der den Sieger begrüßt, der Blumen auf seinen Weg streut und seine Ohren mit Jubelrufen erfüllt, kein Pilgerzug mit Psalmengesang und sausenden Geißelschlägen auf dem Wege nach dem Heiligen Grabe, kein Auswandererzug auf knirschenden Lastwagen, der auszieht, um neue Behausungen für die Menschen in ihrer Not zu suchen, keine Armee mit Trommeln und Waffen; es sind nur Bauern in Arbeitskleidern aus Beiderwand mit vertragenen Schurzfellen, nur ihre Frauen mit Strickstrümpfen in der Hand, die Kinder auf dem Rücken oder an den Röcken hängend.
Es ist groß, Menschen zu großen Zielen vereint zu sehen. Laßt sie ausziehen, um ihre Wohltäter zu begrüßen, um ihren Gott zu preisen, um neuen Erdboden zu suchen, um ihr Land zu verteidigen; laßt sie ziehen! Diese Menschen aber hat kein Hunger, keine Gottesfurcht, kein Unfriede ausgetrieben. Ihre Mühe ist vergeblich, ihre Arbeit ohne Lohn, sie ziehen nur aus, um eine Irrsinnige zu finden. Wie viele Schweißtropfen, wie viele Schritte, wie viele Gebete dies auch kosten mag, sie haben doch keinen andern Lohn als den, eine arme Irrsinnige wiederzufinden, deren Verstand bei Gott ist.
Kann man umhin, dies Volk zu lieben? Müssen nicht jeden, der sie hat vorüberziehen sehen, die Tränen in die Augen treten, wenn er sie sich im Geiste zurückruft, diese Männer mit den scharfen Zügen und den harten Händen, Frauen mit vor der Zeit gefurchten Stirnen und diese Kinder, die Gott an den rechten Ort leiten sollte?
Er füllt die Landstraße, dieser Zug aus traurig Suchenden. Mit ernsten Blicken sehen sie den Wald an; mit finstern Mienen wandern sie dahin, denn sie wissen, daß sie mehr Aussicht haben, eine Tote zu finden als eine Lebende.