»O mein Volk,« dachte er, »o mein Volk, wie ich dich liebe!« Er fühlte, wie er diese ganze Schar liebte, die in der Dunkelheit der Nacht von dannen zog, die Leiche des Mädchens an der Spitze des Zuges tragend, alle diese Menschen in groben Kleidern und mit übelriechenden Schuhen, die alle in den grauen Hütten am Waldesrande wohnten, die keine Feder führten und oft nicht einmal lesen konnten, die nichts von der Fülle und dem Reichtum des Lebens ahnten, die nur die Mühen und Sorgen um das tägliche Brot kannten.
War das nicht ein großes Volk, ein herrliches Volk? War es nicht mutig und ausdauernd, war es nicht munter und arbeitsam, war es nicht geschickt und unternehmend? War der Arme nicht oft gut gegen den Armen? Lag nicht in den Zügen der Mehrzahl der Ausdruck einer kräftigen Intelligenz? War nicht ein sprudelnder Humor in ihrer Rede?
Er liebte sie mit einer schmerzlich brennenden Zärtlichkeit, die ihm Tränen in die Augen trieb. Er wußte
nicht, was er für sie tun wollte, aber er liebte sie, alle wie einen, mit ihren Fehlern und Gebrechen. Ach Gott! wenn doch der Tag einst käme, an dem auch er von ihnen geliebt würde!
Er erwachte aus seinem Traum. Seine Frau legte ihre Hand auf seinen Arm. Die Volksmenge war verschwunden. Sie standen in diesem Augenblick ganz allein auf der Treppe.
»Ach, Gösta, Gösta! Wie konntest du das nur tun!«
Sie barg ihr Antlitz in den Händen und weinte.
»Was ich sagte, ist wahr!« rief er aus. »Ich habe dem Mädchen von Nygaard niemals versprochen, sie zu heiraten. ‘Komm am nächsten Freitag hierher, dann sollst du etwas Lustiges sehen!’ das war alles, was ich zu ihr gesagt habe. Ich kann nichts dafür, daß sie sich in mich verliebte.«
»Ach, das meine ich ja gar nicht; wie konntest du aber nur zu ihnen sagen, daß ich gut und rein sei? Gösta, Gösta! Weißt du denn nicht, daß ich dich geliebt habe, als ich dich noch nicht lieben durfte? Ich schämte mich vor diesen Menschen! Ich war nahe daran, vor Scham zu vergehen!«
Und ein Schluchzen machte ihren ganzen Körper erbeben.