Er stand da und sah sie an. »Ach, Geliebte!« sagte er leise. »Wie glücklich bist du, daß du so gut bist! Wie glücklich bist du, daß du eine so schöne Seele hast!«

Kevenhüller

Liebe Freunde! Dies hier ist nur eine armselige, kleine Allegorie.

Die Allegorie pflegt sich im allgemeinen in göttliche Schönheit zu kleiden, mit königlichen Emblemen; aber diese hier hat mehr Ähnlichkeit mit einem zerlumpten und ausgehungerten Straßenjungen. Die Allegorie wählt sich gern ein Heim in schönen arkadischen Hainen und in hohen Säulenhallen, aber diese arme Kleine habe ich in Karlstad gefunden, wo sie draußen vor dem großen steinernen Turm, der an der westlichen Brücke liegt, saß und weinte.

Der alte steinerne Turm ist wohl nicht gern gesehen in der schönen, zierlichen, modernen Stadt. Es ist ein viereckiges, hohes und schmales Gebäude aus Granitsteinen, und er ist wirklich häßlich mit seinen kleinen, engen Gucklöchern. Da ist Schmuck an den grauen Wänden oder an scharfen Ecken, und über dem Ganzen liegt etwas Unheimliches und Schreckeinflößendes. Das alte Gebäude sieht aus wie der Hauptturm einer Ritterburg, da aber die meisten behaupten, daß er eine Windmühle gewesen ist, so entbehrt er auch des romantischen Wertes.

Aber es ist wirklich wahr, daß die arme kleine Allegorie dort ihr Heim hat. Ich will euch nun erzählen, was für eine gutmütige kleine Allegorie es ist, dann, denke ich, wird niemand es übers Herz bringen, den Turm niederzureißen. Sie will lieber dort wohnen als auf dem Schloß oder im Rathaus oder in der Lateinschule. Sie mag am liebsten ungespickte Mauern und haust gern in Gesellschaft von Ratten und Fledermäusen.

Aus diesem Grunde verlohnte es sich nicht, sie zu erzählen, wenn sie uns nicht außerdem so viel wissen ließ, was wirklich geschehen ist, wenn nicht einer von den Kavalieren in Ekeby der Held darin gewesen wäre, und wenn sie uns nicht das letzte große Unglück vermeldet hätte, das über Ekeby kam.


In den siebziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts wurde der später so gelehrte und kunstfertige Kevenhüller in Deutschland geboren. Er war der Sohn eines Burggrafen und hätte in hohen Schlössern wohnen und an der Seite des Kaisers reiten können, wenn er die Lust dazu gehabt hätte. Aber das hatte er nicht.