Er hatte weit eher Lust, Mühlenflügel an dem höchsten Turm der Burg zu befestigen, den Rittersaal in eine Schmiede und das Frauengemach in eine Uhrmacherwerkstatt zu verwandeln. Er hatte Lust, die Burg mit schnurrenden Rädern und arbeitenden Hebeln anzufüllen. Da sich dies aber nicht tun ließ, so kehrte er der ganzen Bescherung den Rücken und ging in die Uhrmacherlehre. Da lernte er alles, was gelernt werden konnte, von Zahnrädern und Federn und Pendülen. Er lernte Sonnen- und Sternuhren machen, Uhren mit piepsenden Kanarienvögeln und trompeteblasenden Hirten, Glockenspiele, die einen ganzen Kirchturm mit ihrer wunderlichen Maschinerie ausfüllten, und Uhrwerke so klein, daß sie in ein Medaillon eingeschlossen werden konnten.
Als er seinen Meisterbrief bekommen hatte, schnallte er den Ranzen auf den Rücken, nahm den Knotenstock in die Hand und wanderte von Ort zu Ort, um alles zu studieren, was auf Walzen und Rädern ging. Kevenhüller
war kein gewöhnlicher Uhrmacher, er wollte ein großer Erfinder und Weltverbesserer werden.
Nachdem er also viele Länder durchwandert hatte, begab er sich auch nach Wermland, um Mühlenräder und Grubeneinrichtungen eingehend zu studieren.
An einem schönen Sommermorgen traf es sich so, daß er quer über den Karlstader Marktplatz ging. Aber gerade in dieser selben schönen Morgenstunde hatte die Hulder, die Herrscherin des Waldes, es für gut befunden, aus dem Walde geradeswegs in die Stadt zu wandern. Diese vornehme Dame kam auch just quer über den Marktplatz, aber von der entgegengesetzten Seite, und da begegnete sie Kevenhüller.
Das war eine Begegnung für einen Uhrmachergesellen. Sie hatte schimmernde grüne Augen und dickes, blondes Haar, das fast bis an die Erde reichte, und war in grüne, rauschende Seide gekleidet. Obwohl sie ein Kobold war und eine Heidin, war sie schöner als alle die christlichen Frauen, die Kevenhüller jemals gesehen hatte. Er stand da wie verloren und sah sie an, als sie an ihm vorüberkam.
Sie kam geradeswegs aus dem Dickicht im Innersten des Waldes, wo die Farne hoch stehen wie Bäume, wo die riesenhaften Föhren das Sonnenlicht ausschließen, so daß es nur als goldene Funken auf das grüne Moos fällt, und wo die Linnäa über die flechtenbekleideten Steine kriecht.
Ach, wie gern wäre ich an Kevenhüllers Statt gewesen und hätte sie gesehen, wie sie daherkam, mit Farnblättern und Tannennadeln in dem dicken Haar und eine kleine schwarze Natter um den Hals. Stellt sie euch vor:
mit geschmeidigem Gang wie ein wildes Tier und einem frischen Duft von Harz und Erdbeeren und Linnäen und Moos mit sich führend!
Wie die Menschen sie angestarrt haben mochten, als sie sich erkühnte, über den Karlstader Marktplatz zu wandern! Ich denke mir, die Pferde sind vor Schrecken über ihr langes Haar, das im Morgenwinde flatterte, scheu geworden. Die Gassenbuben liefen hinter ihr drein. Die Knechte ließen Wagen und Axt stehen, um ihr nachzustarren. Die Frauen schrien und liefen zu Bischof und Domkapitel, um das Ungeheuer aus der Stadt zu vertreiben.