Sie selber schritt ruhig und majestätisch daher und lächelte nur über den ganzen Spektakel, so daß Kevenhüller ihre kleinen spitzen Raubtierzähne hinter den roten Lippen sehen konnte.

Sie hatte einen Mantel über den Rücken geworfen, damit niemand merken sollte, wer sie war; aber das Unglück wollte, daß sie vergessen hatte, den Schwanz zu verstecken. Der lag nun da und schleifte auf dem Pflaster hinter ihr drein.

Kevenhüller sah den Schwanz wohl auch; aber man muß bedenken, daß er ein Grafensohn war, wenn er auch nur ein Uhrmacher war. Es tat ihm leid, daß eine so hochgeborene Dame dem Gelächter der Spießbürger preisgegeben sein sollte; deswegen verbeugte er sich vor der Schönen und sagte ritterlich:

»Belieben Euer Gnaden nicht die Schleppe aufzunehmen?«

Die Hulder ward gerührt, sowohl über seine freundliche Gesinnung als auch über seine Höflichkeit. Sie blieb

gerade vor ihm stehen, so daß es ihm war, als führen glitzernde Funken aus ihren Augen in sein Gehirn hinein. »Merke dir das, Kevenhüller,« sagte sie, »fortan sollst du mit deinen beiden Händen jegliches Kunstwerk ausführen können, was du nur willst, aber nur eines von jeder Art.«

Das sagte sie, und sie konnte Wort halten. Denn wer weiß nicht, daß die Grüngekleidete aus dem Waldesdickicht Macht hat, dem, der ihre Gunst zu gewinnen weiß, Genie und wunderbare Kräfte zu schenken?

Kevenhüller blieb in Karlstad und mietete sich dort eine Werkstatt. Er hämmerte und arbeitete Tag und Nacht. Acht Tage später hatte er ein Kunstwerk gemacht. Es war ein Wagen, der von selbst ging. Er lief die Hügel hinauf und wieder hinab, ging schnell und langsam, konnte gelenkt und gewendet werden, konnte angehalten und wieder in Gang gesetzt werden, ganz wie man wollte. Es war ein großartiger Wagen.

Nun wurde Kevenhüller ein berühmter Mann und bekam Freunde in der ganzen Stadt. Er war so stolz auf seinen Wagen, daß er nach Stockholm fuhr, um ihn dem König zu zeigen. Er brauchte nicht auf Postpferde zu warten oder sich nicht auf elenden Karriols durchrütteln zu lassen oder auf den hölzernen Bänken der Poststationen zu schlafen. Er fuhr gar stolz in seinem eigenen Wagen und gelangte in ein paar Stunden nach Stockholm.

Er fuhr geradeswegs vor das Schloß, und der König kam mit Höflingen und Hofdamen heraus und sah ihn fahren. Sie konnten ihn nicht genug rühmen.