Als er wieder zur Besinnung kam, lag er auf dem Dach seines eigenen Turmes, die zerschmetterte Flugmaschine an seiner Seite. Er war geradeswegs auf seine eigene Windmühle zugeflogen, die Flügel hatten ihn erfaßt, ihn ein paarmal herumgeschwenkt und ihn dann auf das Dach niedergeworfen. So endete das Spiel.
Kevenhüller war jetzt wieder ein verzweifelter Mann. Ehrliche Arbeit erregte Ekel in ihm, und mit den wunderlichen Künsten wagte er sich nicht abzugeben. Schuf er noch ein Kunstwerk und hatte er das Unglück, es zu zerstören, so würde sein Herz sicher vor Kummer brechen. Und zerstörte er es nicht, da würde er sicher den Verstand verlieren bei dem Gedanken, daß er anderen nicht dadurch nützen konnte.
Er holte seinen alten Gesellenranzen und seinen Knotenstock hervor, ließ die Mühle stehen, wie sie stand, und beschloß, auszugehen und die Hulder zu suchen.
Er verschaffte sich Pferd und Wagen, denn er war nicht mehr so jung und leicht zu Fuß. Und man erzählt, daß er jedesmal, wenn er an einen Wald kam, vom Wagen stieg, hineinging und die Grüngekleidete aus dem Dickicht rief.
»Hulder, Hulder! ich bin es, Kevenhüller! Komm, komm!« Aber sie kam nicht.
Auf diesen Reisen kam er, wenige Jahre bevor die Majorin vertrieben wurde, nach Ekeby. Man empfing ihn dort gut, und da blieb er. Und die Schar im Kavalierflügel wurde um eine hohe, kräftige Rittergestalt vermehrt, um einen schneidigen Herrn, der weder beim Bierkrug noch bei den Jagdpartien versagte. Seine Kindheitserinnerungen kehrten zurück: er gestattete, daß
man ihn Graf nannte, und er bekam mehr und mehr das Aussehen eines alten deutschen Räuberbarons, mit seiner großen Adlernase, seinen finsteren Augenbrauen, seinem Vollbart, der unterm Kinn spitz zulief, sich über den Lippen aber kühn in die Höhe drehte.
Er war ein Kavalier unter den Kavalieren und war nicht besser als alle die andern in dieser Schar, von der das Volk glaubte, daß die Majorin sie für den leibhaftigen Bösen in Bereitschaft halte. Sein Haar ergraute und sein Gehirn schlief. Er ward so alt, daß er nicht mehr an die Taten seiner Jugend glauben konnte. Er war nicht der Mann mit den wunderbaren Fähigkeiten. Er hatte nicht den selbstfahrenden Wagen und die Flugmaschine gemacht! Ach nein, Märchen! Märchen!
Aber dann geschah es, daß die Majorin aus Ekeby vertrieben wurde und daß die Kavaliere Herren auf dem großen Gut wurden. Da begann ein Leben, wie es nie zuvor ärger gewesen war. Ein Sturm ging über das Land hin; alle alte Torheit verkehrte sich in Jugendwildheit, alles Böse geriet in Bewegung, alles Gute erbebte – die Menschen kämpften auf der Erde und die Geister im Himmel. Wölfe kamen aus dem Gebirge herab mit Hexen auf dem Rücken, die Naturmächte wurden losgelassen, und die Hulder kam nach Ekeby.
Die Kavaliere kannten sie nicht. Sie glaubten, sie sei eine arme, bedrängte Frau, die von einer bösen Schwiegermutter in Verzweiflung gehetzt sei. Da nahmen sie sie in ihren Schutz, ehrten sie wie eine Königin, liebten sie wie ein Kind und nannten sie Gräfin.