Du bist eine strenge Frau. Ich weiß, daß mehr als einer den Versuch gemacht hat, mit dir über deinen Mann zu reden.«

»Das ist wahr!« erwidert sie. Und dann bittet sie ihn, von dem Trinkgelage in Broby zu erzählen.

Er erzählt alles, so gut er sich dessen entsinnen kann, und sie lauscht schweigend. Hauptmann Lennart liegt noch immer bewußtlos auf dem Bett. Das Zimmer ist ganz angefüllt mit weinenden Menschen; niemand denkt daran, diese betrübte Schar hinauszuwerfen. Alle Türen sind weit geöffnet, alle Zimmer, Treppen und Gänge sind voll schweigender, bekümmerter Menschen – bis weit auf den Hof hinaus stehen sie in dichten Scharen.

Als der Oberst seine Erzählung beendet hat, sagt die Frau des Hauptmanns mit erhobener Stimme: »Falls sich einer der Kavaliere hier im Zimmer befindet, bitte ich ihn, hinauszugehen. Es ist schwer für mich, einen Kavalier hier an dem Sterbebett meines Mannes zu sehen.«

Ohne ein Wort zu sagen, steht der Oberst auf und geht hinaus. Dasselbe tun Gösta Berling und noch ein paar Kavaliere, die Hauptmann Lennart das Geleite gegeben haben. Die Leute weichen scheu zur Seite vor dieser kleinen Schar gedemütigter Männer.

Als sie fort sind, sagt Frau Lennart: »Will jemand von denen, die meinen Mann während dieser Monate gesehen haben, mir sagen, wo er sich aufgehalten und was er vorgenommen hat?«

Und nun fangen die da drinnen an, vor Hauptmann Lennarts Frau Zeugnis abzulegen über ihn, vor ihr, die ihn verkannt und die ihr Herz in Strenge gegen ihn verhärtet hat. Jetzt ertönt die Sprache der alten Hymnen.

Männer, die nie ein anderes Buch gelesen haben als die Bibel, fangen an zu reden. In Bildern, die sie Hiobs Buch entleihen, in Wendungen aus den Zeiten der Patriarchen reden sie von dem Gesandten Gottes, der umherging und allem Volk half.

Es währt lange, bis sie ausgeredet haben. Während die Dunkelheit hereinbricht und der Abend kommt, stehen sie da und reden; einer nach dem andern tritt vor und erzählt der Frau, die seinen Namen nicht hat nennen hören wollen, von ihm.

Da sind Leute, die erzählen, daß er sie auf dem Krankenbett gefunden und geheilt hat. Da sind wilde Raufbolde, die er gezähmt hat. Da sind Trunkenbolde, die er zur Mäßigung gezwungen, Betrübte, denen er Trost gespendet hat. Jeder, der in grenzenloser Not gewesen ist, hat sich an Gottes Gesandten gewendet, und er hat ihnen helfen können; wenigstens ist er imstande gewesen, Trost und Hoffnung in ihre Herzen zu gießen.